Das 3D-Planetarium mit Sternwarte in Ursensollen eröffnete im Dezember 2019.
Foto: Peter Martner | pmfoto

Planetarium Ursensollen: Ich seh‘ den Sternenhimmel

Die Sterne über der Oberpfalz sind zum Greifen nahe – zumindest im 3D-Planetarium mit Sternwarte in Ursensollen im Landkreis Amberg-Sulzbach. Die astronomische Einrichtung, die zu den modernsten in ganz Europa zählt, nimmt ihre Besucher:innen mit auf eine fantastische Reise bis ans Ende des Universums.

Der Weg zu den Sternen führt durch ein dunkles Waldstück – zumindest in Ursensollen. Am Ende der Allee blickt man auf ein weites Feld, in dessen Mitte thront ein futuristisch anmutendes Gebäude. Ganz aus Holz fügt sich die geometrische Architektur wie selbstverständlich in die Natur ein. Kein anderes Haus und auch kein Straßenlärm stören die Ruhe, hier am Ende des kleinen Ortes im Landkreis Amberg-Sulzbach.

Einzigartig in Deutschland

„Wir haben hier so gut wie keine Lichtverschmutzung. Daher ist der Blick auf die Sterne sehr klar“, erklärt Prof. Dr. Matthias Mändl. Der Physiker ist begeisterter Astronom und Vorsitzender der Sternfreunde Amberg-Ursensollen. Zusammen mit seinen Vereinskolleg:innen betreut er die Sternwarte mit 3D-Planetarium, plant und organisiert die Veranstaltungen vor Ort. Gerade kontrolliert er, ob das riesige Sternwartenteleskop auch gut verpackt und vom Staub geschützt ist. Zum Einsatz wird es erst heute Nacht kommen, wenn die Sonne untergegangen und der Mond schon lange am Himmel steht.

Erst wenn die Sonne nicht mehr blendet und der Mond ihren Platz am dunklen Himmel eingenommen hat, gibt das Sternwartenteleskop den Blick auf Planetenmonde, ausgedehnte Gasnebel, Kugelsternhaufen, Supernovaüberreste und Millionen Lichtjahre entfernte Galaxien frei. Prof. Dr. Matthias Mändl erforscht diese mit seinen Vereinskolleg:innen und Gästen der Sternwarte.Erst wenn die Sonne nicht mehr blendet und der Mond seinen Platz am dunklen Himmel eingenommen hat, gibt das Sternwartenteleskop den Blick auf Planetenmonde, ausgedehnte Gasnebel, Kugelsternhaufen, Supernovaüberreste und Millionen Lichtjahre entfernte Galaxien frei. Prof. Dr. Matthias Mändl erforscht diese mit seinen Vereinskolleg:innen und Gästen der Sternwarte. Foto: Cindy Michel

„Diese Kombination aus Sternwarte und digitalem 3D-Planetarium ist deutschlandweit einmalig“, sagt der OTH-Professor während er per Knopfdruck das riesige Schiebedach über den Teleskopen schließt. Erst im Dezember 2019 eröffnete die hochmoderne Einrichtung nach einer zweijährigen Bauphase ihre Tore in Ursensollen.

Angefangen hat diese Erfolgsgeschichte wie so viele andere auch: ganz klein. Im Jahr 1998 gründeten 14 Personen ohne besonderen astronomischen Erfahrungsschatz den Verein. Beinahe sechs Jahre nach der Gründung hatte der Verein bereits 108 Mitglieder. Im Jahr 2006 zog die Sternwarte von der „Panzerplatte“ in Fuchsstein nach Ursensollen um und nach über zehn Jahren Betrieb in einem provisorischen Bürocontainerbau folgte der Entschluss ein hochmodernes Planetarium mit Sternwarte zu bauen. „Die Gemeinde hat uns immens unterstützt und der Gemeinderat einstimmig beschlossen, wenn wir schon bauen, dann richtig – so kamen wir zum 3D-Planetarium“, sagt Mändl.

Das 3D-Planetarium mit Sternwarte in Ursensollen eröffnete im Dezember 2019. Foto: Peter Martner | pmfoto

Im Foyer des Planetariums fällt der Blick sofort auf einen großen Bildschirm an einer weißen Wand, auf dem bunte Bilder von Galaxien und Sternen wechseln. Aufgenommen haben diese die Vereinsmitglieder selbst. Der Weg führt weiter vorbei an einem Schulungsraum hinein in das Planetarium selbst. Wie ein schwarzes Loch am Ende eines Tunnels offenbart sich nun der Blick in die Sterne…

Die Reise zu den Sternen beginnt bereits im Foyer des Planetariums.Die Reise zu den Sternen beginnt bereits im Foyer des Planetariums. Foto: Peter Martner | pmfoto

Im Herzstück erwartet die Besucher:innen ein hochmodernes Sytstem mit digitalem Fulldome 3D-Projektionssystem mit zwei hochauflösenden LED-Beamern in einer perforierten nahtlosen Metallkuppel. „So stört keine Naht und kein Stoß den Flug durch das Weltall“, sagt Mändl und setzt sich hinter sein „Cockpit“, das aus einem Computersystem und mehreren Bildschirmen besteht. Denn von dort aus steuern er und seine Kolleg:innen durch das All.

PlanetariumHinter den Kulissen: Hier steuert Matthias Mändl durch die unendlichen Tiefen des Weltalls. Foto: Cindy Michel

Wer sich darauf einlässt und auf einem der 30 Sitze Platz nimmt, lässt sich auf eine fantastische Reise ein. Nicht nur offenbart sich kleinen wie großen Besucher:innen des 3D-Planetariums ein Blick in den aktuellen Sternenhimmel über der Oberpfalz, dreidimensional und in höchster Auflösung, sondern ein Flug durch den unendlichen Raum des gesamten Universums. Denn das Planetarium wird zum virtuellen Weltall: ein schwindelerregender Trip durch unser Sonnensystem, weit hinaus zu den Sternen und bis hin zu fernen Galaxien in die Tiefen von Raum und Zeit sind gewiss.

30 Personen finden unter der Kuppel des 3D-Planetariums Platz. Foto: Peter Martner | pmfoto pmfoto

Technische Details für Kenner

Planetarium

  • Planetariumskuppel: Spitz Nanoseam, Durchmesser 6,6m aus nahtlos zusammengefügten perforierten Alublechen, frei im Raum aufgehängt
  • Projektoren: 2 x Norxe P1 LED, 2560 x 1600 (WQXGA), je 2500 Lumen
  • Planetariumshard- und software: Sky-Skan Definiti Theater Systems mit DigitalSky Dark Matter: Spitz Nanoseam, Durchmesser 6,6m aus nahtlos zusammengefügten perforierten Alublechen, frei im Raum aufgehängt
  • Projektoren: 2 x Norxe P1 LED, 2560 x 1600 (WQXGA), je 2500 Lumen
    Planetariumshard- und software: Sky-Skan Definiti Theater Systems mit DigitalSky Dark Matter

Sternwarte

  • Teleskophersteller: AOM-Telescopes, Poppenricht
  • Rollstuhlfahrergerechts Teleskop
  • vergleichbar: Hubble-Space-Telescope, Very Large Telescope VLT, Keck-Teleskop Hawaii
  • Ritchey-Chretien-Cassegrain Gitterrohr-Design

Sowohl die Sternwarte als auch das Planetarium sind barrierefrei.

Cindy ist eine gebürtige Oberpfälzerin mit Sinn für schöne Worte und Rollenspiele. Nach mehreren Jahren in Berlin ist sie in ihre Heimatstadt Amberg zurückgekehrt – und frönt dort ihrer Leidenschaft fürs Schreiben und Filmen. Beides gehört glücklicherweise auch beim Oberpfalz Marketing zu ihren Hauptaufgaben. Das nennt man dann wohl eine Win-Win-Situation.