Eva Bogner steht auf der Amberger Schiffsbrücke
Foto: Eva Bogner

Heimathafen Vilsstadt: Eva baut das Bootshaus

Sie will die Heimat bewegen. Etwas für die junge Generation schaffen. Eva Bogner zögert nicht und verlässt direkt nach dem Studium München wieder, um ihren Traum vom eigenen Café und Hotel in Amberg wahr werden zu lassen. Im Frühjahr 2023 plant sie ihr Bootshaus an der Vils zu eröffnen.

Anmutig funkelnd tanzen die ersten warmen Sonnenstrahlen über den Fluss. Als ob sie zum Ballet blanc geladen hätten, tummeln sich einige vermeintliche Zuschauer entlang der von bunten Häusern gesäumten Uferpromenade: ein Mann mit dunklen Haaren lehnt an einem Laternenmast und poliert seine Sonnenbrille, einige Meter links von ihm sitzt ein Mädchen, das Grimassen schneidet und sich dabei im Wasser beobachtet, während ihr kleiner Bruder vor lauter funkelnder Sonnenstrahl-Pirouetten vergisst, sein Eis zu lecken.

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„Das ist wirklich der schönste Ort in der Altstadt“, sagt die junge Frau, die an der Schiffbrücke lehnt und die Personen am Ufer beobachtet. „Ich glaube, dass Menschen einfach gerne am Wasser sitzen. Verrückt, dass es in der Schiffgasse noch kein Café gibt.“ Wenn alles nach Evas Plan läuft, wird sich das aber bald ändern: „Hier werden zwei Plattformen entstehen, auf denen unsere Gäste ihren Kaffee genießen können“, sagt die 23-Jährige und deutet von der Brücke aus auf eine Stelle im Wasser direkt vor der ehemaligen Ballettschule Winter. „Amberg ist perfekt für unser Bootshaus. Und die Schiffgasse der schönste Ort in der Altstadt.“

Blick durch die Stadtbrille auf die Amberger SchiffsgasseStadt, Land, Fluß: Wer mit dem Kanu durch Amberg paddelt wird all das erleben. Ab 2023 kann man am Bootshaus, das direkt vor der Stadtbrille liegt, für eine Snack anlegen. Foto: Eva Bogner

Dass sie irgendwann einmal aus München zurück nach Amberg ziehen würde, war für die Kommunikationswissenschaftlerin schon immer klar. Nur nicht, dass es schon so bald sein würde. „Ich wollte direkt an den Bachelor noch den Master anhängen“, erklärt sie. Doch dann wurde eine ursprüngliche Schnapsidee von ihr und ihrem Vater immer mehr zur Realität und der Traum wahr: das Projekt Bootshaus. Dabei handelt es sich um vier Häuser direkt am Altstadtufer der Vils, die als Café, Eventlocation und Hotel ab Frühjahr 2023 zum Treffpunkt für Amberger:innen und Gäste aus aller Welt werden sollen.

„Dieser Ort ist so schön, dass eigentlich alle Amberger:innen davon profitieren sollten.“Eva Bogner

„Mein Vater hatte eines der Häuser schon vor längerem gekauft und wollte es zum Wohnhaus sanieren“, berichtet Eva von den Anfängen des Projektes. „Doch dann dachten wir uns, dass der Ort so schön ist, dass eigentlich alle Amberger:innen davon profitieren sollten.“ So wurde die Idee Wohnhaus zum Projekt Café. Als dann auch noch die drei angrenzenden Häuschen dazukamen, wurde die Gastroidee um Hotelzimmer erweitert und letztlich zum Bootshaus Amberg.

„Wir haben immer mehr rumgesponnen, es kamen immer neue Einfälle dazu und kurz vor Ende des Studiums hat mich mein Vater gefragt, ob ich nun wirklich einsteigen und das Bootshaus in Zukunft auch betreiben wolle.“ Die Antwort fiel Eva, die leidenschaftliche Gastgeberin und Hobby-Bäckerin ist, nicht schwer: „Wenn der Traum vom eigenen Café plötzlich wahr wird, muss man den Mut haben und die Chance ergreifen.“

"Meine Generation hängt viel mehr an der Heimat"

Mit dem Bachelor in der Tasche zieht Eva Bogner nach drei Jahren Landeshauptstadt für das Projekt Bootshaus zurück in die Oberpfalz: „Die Zeit in München war super, ich habe viel gelernt, aber leben wollte ich schon immer in Amberg.“ Da sei sie kein Einzelfall in ihrem Freundeskreis, die meisten ihrer Freunde planen nach Studium oder Ausbildung wieder zurück zu ziehen, erzählt sie. „Unsere Generation hängt viel mehr an der Heimat, als vielleicht noch die unserer Eltern“, meint Eva. „Dadurch, dass heute alles so schnell geworden ist, sehnt man sich nach echten und ehrlichen Momenten – und die hat man eben oft Zuhause.“

Immer mehr Spaziergänger flanieren an diesem sonnigen Tag an der Vils entlang durch die Schiffgasse. „In Amberg geht auch wirklich was“, sagt sie. „Man merkt, dass viele junge Unternehmer:innen da sind, die wie ich, etwas bewegen wollen.“ Dabei zeigt sie auf eine Baustelle am anderen Ende der Gasse, gegenüber der mächtigen Martinskirche. „Dort entsteht zum Beispiel das Notstain, ein neues Gastro-Projekt eines jungen Ambergers“, erklärt Eva. „Ich durfte letztens schon die Baustelle besichtigen und freue mich auf das tolle Miteinander in der unmittelbaren Nachbarschaft.“

„Mein Ziel ist es, ein Zuhause zu schaffen. Einen Ort, an den man immer gerne zurückkehrt. So eine Art Sehnsuchtsort am Wasser.“Eva Bogner

Eva und ihr Papa sitzen in einem Boot und paddeln auf der VilsEvas Vater ist nicht nur ihr Geschäftspartner, sondern auch bester Freund und Kanu-Kumpel. Foto: Eva Bogner

Amberg hat die perfekte Größe

Das Bootshaus kann sich Eva nirgendwo anders als in Amberg vorstellen: „Die Stadt hat die perfekte Größe. In einer Großstadt würde ich so ein Projekt nicht umsetzen wollen. Hier wirst Du gesehen und wahrgenommen.“ Außerdem schätze sie die kurzen Wege und könne zudem zu 100 Prozent auf die Unterstützung ihrer Freunde und Familie zählen. „Die sind einfach alle hier und geben mir die Sicherheit, die ich brauche, wenn ich doch mal Angst bekomme.“

Das Konzept des Bootshauses ist schlüssig und spannend: Leben und genießen am Fluss, denn die Vils steht hier im Mittelpunkt. Im Innenbereich sollen 40 Sitzplätze entstehen, das Highlight wird aber klar der Außenbereich mit Terrasse direkt am Ufer und zwei Plattformen direkt in der Vils.

Dank eines eigenen Anlegestegs können Kanuten oder Vilswanderer spontan beim Bootshaus anlegen und hausgemachten Kuchen oder einen Snack aus regionalen Zutaten genießen. „Mein Ziel ist es, ein Zuhause zu schaffen. Einen Ort, an den man immer gerne zurückkehrt. So eine Art Sehnsuchtsort am Wasser.“

Zuhause fühle man sich erst, wenn man sich mit einem Ort identifizieren kann, so Eva. Um dieses Empfinden im Bootshaus zu verstärken, verzichtet Eva auf anonyme Zimmernummern im Hotel und setzt auf die Geschichte der denkmalgeschützten Häuser: „Wir werden die Zimmer nach ehemaligen Bewohner:innen benennen.“ Die wohl bekannteste ehemalige Eigentümerin ist Renate Winter.

Über 50 Jahre betrieb die Tänzerin eine kleine Ballettschule in ihrem Haus, die Kult-Status in Amberg hatte: „Mich sprechen immer wieder Fremde an, die bei Frau Winter im Ballett waren und nun neugierig sind, was aus der Schule wird.“ Eine Frau habe Eva sogar letztens scherzhaft gefragt, ob sie ihre Fleißmarken aus der Ballettschule auch im Bootshaus einlösen könne.

„Vielleicht können wir da was machen. Fakt ist, dass die Ballettschule ein großer Teil der Historie des Hauses ist und wir die Geschichte definitiv integrieren wollen“, erklärt Eva und lächelt, während sie dem funkelndem Auftakt des Sonnenstrahlen-Balletts auf der Vils zuschaut.

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Zum Glück (zurück)

Eva Bogner ist Teil des Projekts „Zum Glück (zurück)“. In dieser 18-teiligen Serie stellen wir Oberpfälzer vor, die ganz bewusst nach einem Blick über den Tellerrand und einer Zeit außerhalb der Region zurückgekehrt sind.

Gefördert durch Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie

Cindy ist eine gebürtige Oberpfälzerin mit Sinn für schöne Worte und Rollenspiele. Nach mehreren Jahren in Berlin ist sie in ihre Heimatstadt Amberg zurückgekehrt – und frönt dort ihrer Leidenschaft fürs Schreiben und Filmen. Beides gehört glücklicherweise auch beim Oberpfalz Marketing zu ihren Hauptaufgaben. Das nennt man dann wohl eine Win-Win-Situation.