Zwei Oberpfälzer Betriebe holen das „TOP 100“-Siegel
Für ihre besondere Innovationsleistung sind am vergangen Freitag die diesjährigen Top-100-Firmen in Heidelberg geehrt worden. Gratuliert hat ihnen der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff. Foto: KD Busch/compamedia
MAC JEANS erobert die Spitzengruppe
Wer bei Innovation nur an Software-Buden in Berlin denkt, war noch nie in Wald. MAC hat den Sprung in die Riege der Top-Innovatoren nicht für irgendeine App bekommen, sondern für Handwerk, das mitdenkt. Das Familienunternehmen beweist seit Jahren, dass Nachhaltigkeit in der Kleidungsindustrie keine Nische bleiben muss.
Schon 2012 haben die Macher in Wald mit einer ersten Serie aus recyceltem Denim experimentiert. Das kam so gut an, dass die Geschäftsführung die gesamte Produktion umgekrempelt hat. Wenn heute neue Stoffe auf den Tisch kommen, stellt das Team harte Fragen: Schont das Material die Umwelt? Und lässt es sich am Ende überhaupt vernünftig auf den großen Maschinen in der Fabrik verarbeiten? Genau dieses strukturierte Nachbohren hat der Jury beim Top 100 Wettbewerb imponiert.
Ein Projekt, das den Innovationspreis besonders rechtfertigt, klingt im ersten Moment nach Großmutters Zeiten: Hosen aus Brennnesselfasern. Was verrückt klingt, belebt eine alte Textiltradition der Oberpfalz neu. Früher bauten die Menschen hier gezielt Brennnesseln für Kleidung an.
MAC holt dieses Wissen jetzt zurück auf die Felder vor unserer Haustür. Das ist kein grünes Feigenblatt, sondern echtes Handwerk. Der Vorteil liegt auf der Hand: Wenn die Fasern in der Region wachsen, spart das lange Transportwege um die halbe Welt und macht den Betrieb unabhängig von internationalen Lieferkrisen. Das Ziel ist ein neuer, robuster Denim-Stoff, der sich im großen Stil weben lässt und lange hält.
Die Jeans von MAC aus Wald/Roßbach zwischen Cham und Regensburg Foto: MAC
Für die Top 100 Auszeichnung war auch entscheidend, wie das Unternehmen arbeitet. Hier tüftelt niemand einsam im stillen Kämmerlein. Das Team in Wald holt sich für neue Fasern wie Brennnessel oder Hanf frühzeitig Wissenschaftler und Lieferanten an den Tisch. Geschäftsführerin Eveline Schönleber erklärt das so: „Wir arbeiten nicht im stillen Kämmerlein. Die besten Ideen entstehen im direkten Gespräch – mit unseren Kunden, Partnern und Lieferanten. Wir hören genau zu, wo der Schuh drückt, und setzen das flexibel um.“
Dabei reden die Oberpfälzer Klartext: Sie geben den Forschern genaue Vorgaben, was der Stoff im Alltag aushalten muss. Die Hose muss perfekt sitzen, bequem sein und sich in der Fabrik ohne Probleme nähen lassen. Weil MAC zu den großen Nummern auf dem europäischen Hosenmarkt gehört, hören die Textilforscher genau hin. So wird aus grauer Theorie im Labor am Ende eine Hose, die Du jeden Tag gerne anziehst.
Was steckt hinter dem „TOP 100“-Siegel?
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Der Wettbewerb: Seit über 30 Jahren kürt der Wettbewerb die innovativsten Firmen des deutschen Mittelstands. Es geht hierbei nicht um die Größe eines Betriebs, sondern darum, wie zukunftsorientiert dort gearbeitet wird.
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Das Auswahlverfahren: Wer das Siegel haben will, muss sich einem strengen wissenschaftlichen Check unterziehen. Ein Team um den Innovationsforscher Prof. Dr. Nikolaus Franke von der Wirtschaftsuniversität Wien nimmt die Unternehmen genau unter die Lupe.
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Die Kriterien: Die Forscher untersuchen über 100 verschiedene Faktoren in fünf Kategorien – von der Frage, wie sehr die Chefs neue Ideen fördern, bis hin dazu, wie schnell eine gute Idee tatsächlich auf dem Markt oder in der Produktion landet.
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Die Klassen: Um fair zu bleiben, treten die Firmen in drei Größenklassen an (bis 50 Mitarbeiter, 51 bis 200 Mitarbeiter und über 200 Mitarbeiter).
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Der Summit: Einmal im Jahr kommen alle ausgezeichneten Betriebe beim „Deutschen Mittelstands-Summit“ zusammen, um ihre Urkunden zu erhalten und sich untereinander zu vernetzen.
Guttenberger Lichtwerbung: Aus dem Stand in die Top-Liga
Der zweite Gewinner im Bunde kommt aus Freystadt: Guttenberger Lichtwerbung. Das Team hat zum allerersten Mal bei dem Wettbewerb mitgemacht und ist auf Anhieb unter den Top 100 gelandet.
Bei Guttenberger wissen alle Beteiligten genau, wie die Geschäfte laufen. Die Geschäftsführer Berthold Metka und Joana Edtbauer setzen voll auf ein echtes Miteinander. Seit 15 Jahren bekommt die gesamte Belegschaft – von der Werkstatt bis zur Reinigungskraft – jeden Monat die nackten Zahlen des Betriebs auf den Tisch gelegt. Das schweißt zusammen und sorgt dafür, dass jeder mitzieht, wenn es um neue Ideen geht. Geld, das die Firma verdient, wandert direkt wieder in neue Maschinen und Werkzeuge, um den Betrieb fit für die Zukunft zu machen.
Wie so eine Idee in der Praxis aussieht, merkt man beim Thema Kundennähe. Guttenberger hat acht Niederlassungen in ganz Deutschland – von Osnabrück im Norden bis Dresden im Osten. Weil die Mitarbeiter jede Woche rund 150 Leuchtschilder und Werbeanlagen im ganzen Land montieren, bekommen sie auf den Baustellen direkt zu hören, was gut läuft und wo es hakt. Fünfmal im Jahr setzen sich die Vertriebsleiter zusammen, um genau dieses Feedback zu besprechen. Zusätzlich tüftelt alle ein bis zwei Wochen ein Experten-Zirkel aus fünf bis sieben Technikern an neuen Verfahren, während die Chefs die wöchentlichen Verbesserungsrunden in der Werkstatt begleiten.
Dass in Freystadt nicht nur alte Kamellen aufgewärmt werden, zeigt die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft. Zusammen mit dem Technologie Campus Cham der TH Deggendorf hat Guttenberger etwas völlig Neues ausprobiert: LEDs wurden mit speziellen Linsen aus dem 3D-Drucker bestückt. Das sorgt dafür, dass die Schilder mit viel weniger Lampen absolut gleichmäßig leuchten – ein Verfahren, das bald in der ganzen Produktion zum Einsatz kommen soll.
„Guttenberger Lichttechnik“ geht der Blick zudem weit über das klassische Werbeschild hinaus. Die Oberpfälzer bauen mittlerweile gesundheitsförderndes Licht für Krankenhäuser und haben sogar die Bankfiliale der Zukunft ausgetüftelt: Videosäulen, über die Kunden direkt mit einem Bankberater sprechen können, obwohl in der Filiale selbst überhaupt kein Personal mehr vor Ort ist.
Die Oberpfalz ist der ideale Ort zum Leben und Arbeiten. Das zu kommunizieren und den Rest der Welt für die Region zu begeistern, ist die Aufgabe des Oberpfalz Marketings. Challenge accepted.