Koufits – Mode für mehr Oberpfalzliebe

Modelabels, die Dialektwörter oder regionale Eigenheiten auf Kleidung drucken, gibt es viele in Bayern. Aber nur eines, das sich ausschließlich auf die Oberpfalz fokussiert – und zwar KOUFITS. Dazu inspiriert hat den Gründer Andreas Schatz oberpfalz.de, denn ohne unser „Kennst as“ und das Dialektvideo, gäbe es die Marke so heute nicht. 

"Ich verstehe nicht, warum manche Oberpfälzer so wenig Selbstbewusstsein haben", sagt der Mann mit den kurzen dunkelblonden Wuschelhaaren. Dann grinst Andreas Schatz und zeigt auf den Schriftzug seines petrolfarbenen Shirts: OBERPFALZLIEBE steht da. "Davon brauchen wir mehr. Viel mehr!", sagt der 32-Jährige, der den Schriftzug nicht nur stolz auf der Brust trägt, sondern auch die Idee zu dem Slogan hatte, das Motiv designte und letzlich das T-Shirt produziert hat – und zwar für sein eigenes Oberpfälzer Modelabel Koufits

Aber wie kommt ein Wirtssohn aus Wernberg-Köblitz, der Geschichte sowie Kulturwirtschaft studiert hat und aktuell als Projektleiter Digitalisierung arbeitet, auf die Idee, nebenbei eine Kleidungsmarke zu gründen? "Es geht mir dabei vor allem um die Region und coole Klamotten sind ja nie verkehrt", erklärt Andreas.


Mehr Oberpfalzliebe

Obwohl er aus beruflichen Gründen noch in Ingolstadt lebt, fühlt er sich ganz klar als Oberpfälzer und möchte die Region voranbringen: "Wir, der Rest von Deutschland weiß es eh schon, müssen kapieren, dass wir nicht das hässliche Entlein Bayerns sind. Ich hoffe, dass ich mit Koufits meinen Teil dazu beitragen kann."  Was hinter Koufits steckt, wie er auf die Idee dazu kam und wie unsere Dialektwort-Reihe "Kennst as" ihn dabei inspirierte, berichtet Andreas Schatz im Interview.

oberpfalz.de: Würdest Du heute nackt hier sitzen, wenn es unser „Kennst as“-Dialektwort und Dialektvideo nicht gegeben hätte?

Andreas Schatz: Wer weiß, vielleicht. Nein, ernsthaft: Ich würde wahrscheinlich gar nicht hier mit Dir sitzen und falls doch, dann sicher nicht mit diesem Oberpfalzliebe-Shirt.

Zoigl bei die Karpfen: Was hat Dein Shirt mit dem Oberpfälzer Dialekt und unserer Website zu tun?


Ich habe eure „Kennst as“-Posts auf Facebook verfolgt und dachte mir, der Oberpfälzer Dialekt würde ziemlich gut auf Klamotten passen. Dann habe ich auch noch euer Dialektvideo gesehen, das immer wieder auf die Kuh zurückkommt. So haben irgendwann meine grauen Synapsen geklickt und der Name „Koufits“ war geboren und mit ihm Oberpfalzliebe-Shirts.

Das freut uns sehr. Aber ganz ehrlich, Du bist nicht der erste Bayer, der die Idee hatte, Dialektmode zu machen…

Das stimmt, aber das Schlüsselwort ist die Oberpfalz: Fast alle Labels sind bayernweit unterwegs, was durchaus verständlich ist, weil sie so eine größere Zielgruppe ansprechen. Ich hingegen verwende ausschließlich Oberpfälzer Wörter.

 

Das hört sich schwer nach Idealismus an, oder?

Ich bin der Meinung, dass wir Oberpfälzer unser Licht keinesfalls unter den Scheffel stellen müssen, sondern unseren Dialekt, unsere Eigenarten oder auch unsere Kirwabegeisterung genauso stolz auf der Brust oder im Fall von Mützen auch auf dem Kopf tragen können. Ich vergleiche die Oberpfalz immer gerne mit einem Wirtshaus.

Mit einem Wirtshaus?

Ja. Die Oberpfalz ist wie ein altes Wirtshaus, das in einem Ort, sinnbildlich für Bayern, mit vielen anderen steht. Unten im Dorf etwa kann man in den ober- und niederbayerischen Prachtbauten schlemmen, dann die schwäbische Alpenresidenz und natürlich die fränkische Weinstube besuchen. Ganz im Osten des Ortes steht ein unscheinbares Häuschen, das äußerlich Potenzial hat, aber die Mauern noch die Risse der Vergangenheit aufweisen, obwohl sie eigentlich schon lange verputzt gehörten und das Haus geschmückt.

Warum verputzt der Oberpfälzer sein Wirtshaus nicht?

Das verstehe ich auch nicht. Vielleicht, weil der Prunk, der Nachbarn im Süden alles überblendet und einschüchtert? Vielleicht weil er jahrelang unter schlechter Presse zu leiden hatte und das am Selbstbewusstsein nagt? Aber es gibt einfach keinen Grund dazu, denn das Wirtshaus hat eigentlich so viel Charme. Es ist ehrlich und bodenständig.

Wie sieht es in der Wirtstsube aus? 

Das erste, was einem auffällt, ist, dass Dialekt gesprochen wird. Dann geht man weiter rein in die Gaststube, sieht Bilder von wunderbaren Landschaften an den Wänden hängen, die einen fesseln. Man setzt sich an einen Tisch und bestellt ein leckeres Essen und „ouhhh", wie dieses Zoigl schmeckt. Und schon ist man integriert und beginnt, die Menschen zu verstehen.

Du sagst, der Dialekt eint die Oberpfälzer. Aber es gibt ja nicht die eine Aussprache oder Schreibweise. Unser Dialekt variiert von Dort zu Dorf, von Landkreis zu Landkreis.

Das stimmt allerdings. Darum versuche ich, meine Motive nicht zu speziell auf den Dialekt einer einzelnen Region auszurichten. Ab und zu werde ich angeschrieben und darauf hingewiesen, wie ein Spruch in einer anderen Oberpfälzer Dialektvariante heißen müsste, aber leider kann ich nicht alle Nuancen abdecken.

Deine Frau ist aus Schwarzenfeld, Du aus Wernberg. Habt ihr sprachliche Differenzen?

Wir haben eine Dauerbrennerdiskussion, ob es „dahoam“, so sagt man in Schwarzenfeld, oder „daham“, so spricht es der Wernberger aus, heißt. Die beiden Orte trennen gerade mal 23 Kilometer. Die Vielfalt im Oberpfälzer Dialekt ist einfach der Hammer.

Was bedeutet Dialekt für Dich?

Dialekt ist Heimat und das merke ich immer, wenn ich länger nicht zuhause war. Dann genieße ich ihn umso mehr.

Du arbeitest in Ingolstadt. Versteckst Du dort Deinen Dialekt?

Natürlich spreche ich mit meinen Kollegen eher Hochdeutsch, als mit Freunden von früher. Nicht, um etwas zu verbergen, sondern weil ich möchte, dass die Kollegen mich verstehen. Aber mein rollendes R wird mir immer bleiben und das ist auch gut so.

Warum ist das gut so?

Mein Dialekt ist Teil von mir und meiner Identität. Es macht mich aus, dass ich gewisse Wörter benutze, für die es im Hochdeutschen überhaupt kein Pendant gibt. Wie etwa „Huschala“ – einige meiner Kollegen dachten wirklich das sei ein arabisches Wort. Und aus diesem Grund ist Dialekt für mich auch Vielfalt.

Koufits

Das 2019 gegründete Modelabel legt Wert auf Qualität. Shirts, Hoodies und Sweatshirts bestehen zum Großteil aus fair gehandelter Bio-Baumwolle, die "on Demand" in Bayern bedruckt werden.

Hier geht's zur Website von Koufits, dem "Oberpfälzer  Ozaichzeich".

Autor/in
Autor/in Cindy Michel
Cindy ist eine gebürtige Oberpfälzerin mit Sinn für schöne Worte und Rollenspiele. Nach mehreren Jahren in Berlin ist sie in ihre Heimatstadt Amberg zurückgekehrt - und frönt dort ihrer Leidenschaft fürs Schreiben und Filmen. Und wenn sie nicht gerade auf