Inspiration: Oberpfalz

Krimi, Thriller, Liebesgeschichten und Historienromane... Immer mehr Autoren lassen ihre Bücher in der Region spielen - und haben dafür ganz unterschiedliche Gründe. Zwei Autorinnen verraten, warum ihre Protagonisten in der Oberpfalz Zuhause sind. 

Gerda Stauner: Auf den Spuren der Vergangenheit

Heimat, Identität und Vertreibung - das sind die Themen, die die gebürtige Oberpfälzerin Gerda Stauner umtreiben. In ihren Romanen "Grasmond" und "Sauforst" lässt sie die jüngere Vergangenheit ihrer Heimat wieder aufleben. Über 150 Jahre hinweg begleite die Autorin in ihren Erzählungen eine Familie. Dabei wechselt die Perspektiven zwischen den verschiedenen Protagonisten und die Zeitebenen. Auch zeitgeschichtliche Aspekte wie die Industrialisierung oder der Zweiten Weltkrieg fließen in ihre Bücher mit ein.

Aktuell schreibt die 45-Jährige gerade am dritten Teil ihrer Familiensaga. Natürlich ist diese wieder in der Oberpfalz angesiedelt und beleuchtet die Ablösung und Aussiedelung der Menschen rund um die Truppenübungsplätze Mitte des 20. Jahrhunderts. Eine starke, selbstbestimmt Oberpfälzerin, die sich nicht von den Konventionen ihrer Zeit einengen lässt, spielt darin eine tragende Rolle...

Oberpfalz Marketing: Gerda, warum spielen Deine Bücher ausgerechnet in der Oberpfalz und nicht irgendwo anders?

Bei mir ist es ähnlich wie bei Martin Suter, der in einem Interview sagte, er können nur über die Schweiz schreiben, weil der da aufgewachsen ist, dort sozialisiert wurde. Um authentisch zu erzählen, muss ich nicht nur genau über den Ort Bescheid wissen, ich muss ihn fühlen können. Und das ist bei mir in der Oberpfalz der Fall.

 

Was inspiriert Dich an Deiner Heimat?

Die Menschen, die darin leben und lebten. Und das Tal der Schwarzen Laber. Wenn ich im Zug von Regensburg in Richtung Nürnberg fahre, kann ich mich nicht sattsehen an dieser wunderbaren Landschaft.

 

Was ist aus Deiner Sicht das Besondere an der Oberpfalz? Warum eignet sie sich so gut als Kulisse für einen Roman?

Die Kargheit der Landschaft und das zurückgenommene Verhalten der Oberpfälzer passen einfach wunderbar zu meinem prosaischen Schreibstil. Die Bewohner der Oberpfalz machen nicht viel Aufhebens um sich, das gefällt mir.

 

Ist es schwieriger, ein Buch zu schreiben, das in der eigenen Heimat spielt, statt an einem fiktiven oder fremden Ort? Was sind die Herausforderungen für einen Autor?

Es ist insofern schwieriger, weil es für die Geschichte nur eine begrenzte Leserschaft gibt. Die Herausforderung besteht eher darin, auf der einen Seite die Erzählung genau zu verorten und auf der anderen Seite auch für Fremde interessant zu machen.

 

Über welches Oberpfälzer Phänomen sollte man unbedingt noch ein Buch schreiben?

Es wäre einmal interessant, etwas über die Starrköpfigkeit der Oberpfälzer zu lesen. Sie nehmen vieles lange Zeit gelassen hin. Aber wenn sie einmal gereizt werden, dann sind sie nicht mehr aufzuhalten. Am Beispiel der einst geplanten WAA in Wackersdorf kann man das sehr schön sehen.

Mehr zur Autorin

Die 1973 in der Oberpfalz geborene Gerda Stauner lebt seit 1999 in Regensburg, ist verheiratet und hat einen Sohn. Nach dem Abitur studierte sie in Rosenheim Betriebswirtschaft. Zeitgleich mit ihrem Umzug nach Regensburg eröffnete sie das Themenhotel „Künstlerhaus“. Ihr erster Roman Grasmond erschien 2016 im SüdOst Verlag. Darin setzt sich die Autorin mit den Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf die Menschen in der Oberpfalz auseinander. Die Figuren für ihren zweiten Roman Sauforst entstanden in Anlehnung an ihren eigenen Familienstammbaum. 2018 wurde sie mit dem Kulturpreis der Stadt Regensburg ausgezeichnet.

Gerdas Lesetipp:

„An der schönen blauen Donau“ von Ludwig Bemelmans, welcher im April 1945 in New York in englischer Sprache erschienen ist. Es dauerte gut sechzig Jahre, bis es zu einer deutschen Übersetzung kam. Die Beschreibung des anfangs stillen Widerstands der Protagonisten gegen die Naziherrschaft ist meiner Meinung nach eine treffende Charakterstudie der Oberpfälzer. Ludwig Bemelmans wuchs Anfang des 20. Jahrhunderts in Regensburg auf, wurde dort sozusagen sozialisiert, und man spürt beim Lesen die Liebe zu seiner ehemaligen Heimat und zu den Menschen, die dort leben.

"An der schönen blauen Donau", Ludwig Bemelmans, Insel Verlag, Frankfurt am Main 2007, ISBN 9783458173618, gebunden, 175 Seiten, 17,80 EUR 

Sonja Silberhorn: Auf Verbrecherjagd

Sonja Silberhorn schreibt klassische Krimis: Ein Verbrechen geschieht, eine Ermittlerin sucht den Täter. Was die gebürtige Regensburgerin daran aber besonders interessiert, sind die menschlichen Abgründe: Was bewegt jemanden dazu, ein Verbrechen zu begehen? Was muss geschehen, damit aus einem Menschen ein Mörder wird? 2011 erscheint ihr Debütkrimi „Herzstich“ beim Kölner Emons Verlag. Seither schicke sie ihre Ermittler erbarmungslos durchs Regensburger Verbrecherdickicht.

Ihr neustes Werk „Waidlertod“ erscheint im Juli 2018 und spielt, wie der Titel schon erahnen lässt, im Oberpfälzer Teil des Bayerischen Waldes. 

Oberpfalz Marketing: Sonja, warum spielen Deine Bücher ausgerechnet in der Oberpfalz und nicht irgendwo anders?

All meine Geschichten, auch die unveröffentlichten und noch nicht geschriebenen, haben gemeinsam, dass sie an Orten spielen, die mich berühren. Heimat tut das, wenigstens aus meiner Sicht, auf ganz besonders intensive Art und Weise. Insofern ist es eine logische Konsequenz, dass der Großteil meiner Geschichten eben dort angesiedelt ist.

  

Was inspiriert Dich an Deiner Heimat?

Die Vielschichtigkeit. Allein der Kontrast zwischen meinem Wohnort Regensburg mit der historischen Altstadt und den Touristenströmen einerseits und abgelegenen kleinen Dörfern im weiteren Umland andererseits könnte ganze Bücher füllen.

  

Was ist aus Deiner Sicht das Besondere an der Oberpfalz?

Warum eignet sie sich so gut als Kulisse für einen Roman? Die Atmosphäre ist für mich vielerorts einfach stimmig, aber auch die Mentalität des „typischen Oberpfälzers“, so es ihn denn gibt, spielt eine Rolle. Eher wortkarg, zurückgenommen und ein bisschen grantig, nach Möglichkeit aber mit einem Augenzwinkern: Das lässt sich aus literarischer Sicht natürlich wunderbar verarbeiten.

  

Ist es schwieriger, ein Buch zu schreiben, das in der eigenen Heimat spielt, statt an einem fiktiven oder fremden Ort? Was sind die Herausforderungen für einen Autor?

Ich glaube, zunächst ist es leichter, weil man ja bereits ein Gefühl für diesen Ort hat. Die Herausforderung stellt man sich als Autor dann wahrscheinlich selbst, weil man noch größeren Wert darauf legt, dem ortsfremden Leser die Gegend so nahe zu bringen wie man sie selbst empfindet.

Mehr zur Autorin

Sonja Silberhorn, Jahrgang 1979, ist in Regensburg geboren und aufgewachsen. Sie arbeitete mehrere Jahre in der Hotellerie, unter anderem auf den Kanaren und in Berlin, doch dann überwog die Liebe zu ihrer Heimatstadt. Heute lebt sie dort mit ihrer Familie und schickt seit 2011 ihre Kriminalkommissare erbarmungslos durchs lokale Verbrecherdickicht. Im Juli erscheint ihr neues Buch "Waidlertod".

 

zur Leseprobe "Regenteufel"

Sonjas Lesetipp:

Gerne empfehle ich die Krimis meiner Verlagskollegen Hilde Artmeier und Fabian Borkner: Spannend, hintergründig, unterhaltsam und sehr lesenswert! (Anmerkung der Redaktion: siehe auch Box unten)

Literatur aus und über die Oberpfalz

Du kennst noch weitere Autoren oder spannende Literatur aus der Oberpfalz? Dann gib uns gerne einen Tipp und schreibe uns eine Mail an marketing(at)oberpfalz.de.

Autor/in
Autor/in Nina Schellkopf
Projektmanagerin Kommunikation und Marketing