Weltweit einzigartige Rekonstruktion gelingt am UKR: Patient erhält "neuen Arm"

Andreas Winklmann hatte Glück im Unglück: Nachdem er bei einem Unfall seinen linken Arm verloren hatte, kam er in die Uniklinik Regensburg. Dort setzte ein Spezialistenteam drei Jahre lang alles daran, ihm eine myoelektrische Prothese anzupassen. Und das gelang in einem weltweit einzigartigen Verfahren.

Prof. Dr. Lukas Prantl kontrolliert den Sitz der Armprothese: Durch ein weltweit einzigartiges Verfahren konnten Regensburger Ärzte Andreas Winklmann eine Prothese anpassen. Foto: UKR Franziska Holten

Nach einem schweren Arbeitsunfall hat Andreas Winklmann seinen linken Arm verloren. Auch wenn es zunächst fast unmöglich schien, gelang Medizinern des Hochschulzentrums für Plastische und Ästhetische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie Regensburg eine Meisterleistung: In einem weltweit einzigartigen Verfahren konnten die Ärzte Schulter und Oberarm des Patienten so rekonstruieren, dass ihm eine funktionelle Prothese angepasst werden konnte.

Die Verletzung von Andreas Winklmann stellte das Ärzteteam vor eine besonders schwere Aufgabe, denn er hatte bei dem Unfall seinen linken Arm kurz unterhalb der Schulter verloren. "Bis auf den Oberarmknochen, und selbst der war abgetrennt, war nichts mehr vorhanden. Muskeln, Sehnen und Nerven waren allesamt zerstört worden", beschreibt Thiha Aung, Assistenzarzt im Zentrum für Plastische und Ästhetische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, den Zustand, in dem er Andreas Winklmanns Arm nach dem Unfall vor etwa drei Jahren vorgefunden hat.

Zunächst ging es darum, die Wunde zu versorgen. Als der Stumpf soweit stabil war, dass die Verletzung heilen konnte, stand das Chirurgenteam aber vor der eigentlichen Herausforderung: der Rekonstruktion von Schulter und Oberarm zur Anpassung einer myoelektirschen Prothese. "Mit einer myoelektrischen Prothese gewinnen Patienten zum einen viel an Lebensqualität zurück, da diese ein physiologisches lebensnahes Greifen ermöglicht, zum anderen können dadurch Phantomschmerzen gelindert werden, die bei Betroffenen oft einen enormen Leidensdruck erzeugen", so Professor Dr. Dr. Lukas Prantl, Leiter des Hochschulzentrums für Plastische und Ästhetische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie. Da bei Andreas Winklmann aber am Stumpf kein Nerven- und Muskelgewebe mehr vorhanden war, waren die Voraussetzungen für eine Prothese mehr als schlecht. In mehreren komplexen Operationen ist es dem erfahrenen Chirurgen-Team aber gelungen, die Schulterpartie komplett neu aufzubauen, so dass dem Patienten jetzt eine hochmoderne, gedankengesteuerte Armprothese angepasst werden konnte.

Die Schwere der Verletzung zwang die operierenden Mediziner, mit Eigen-Transplantaten von Andreas Winklmann zu arbeiten.  So wurden von den Innenseiten beider Oberschenkel Haut, Nerven, Sehnen und Muskelansätze entnommen und Teile des abgetrennten Oberarmes und der Schulter Stück für Stück rekonstruiert. Neben der Konstruktion einer passenden Auflagefläche an Schulter und Oberarm, sollten durch die aufwändigen Eingriffe vor allem die Nervenbahnen wieder verknüpft werden, um eine Signalweiterleitung an das Gehirn zu schaffen.

"Einen solchen Fall gab es in der gesamten medizinischen Welt vorher noch nie", so Dr. Vanessa Brébant, Geschäftsführende Oberärztin am Hochschulzentrum für Plastische und Ästhetische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie. Um sicherzustellen, dass durch einen entsprechenden Reiz überhaupt eine Kontraktion des Muskels zustande kommt, die sich auf die Prothese übertragen kann, musste die Platzierung von Nerven, Muskeln und Elektroden der Prothese ganz genau aufeinander abgestimmt sein.

Die ganze Geschichte von Andreas Winklmann kannst Du hier nachlesen.

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