Tirschenreuth bietet Platz für Tuchfühler

Die Tuchfabrik Gebrüder Mehler in Tirschenreuth ist das älteste Textil-Unternehmen Deutschlands. Seit ihrer Gründung im Jahr 1644 ist die Firma in Familienhand. Maximilian Mehler ist ein Teil davon. Sein Motto: „Wir sind auf Tuchfühlung!“

Maximilian Mehler will das Tirschenreuther Unternehmen in die Zukunft führen. Er ist Teil der Kampagne "Platz für..." der Metropolregion Nürnberg. Foto: Metropolregion Nürnberg

Angefangen haben die Gebrüder Mehler mit der Herstellung von Lodenstoff, dem traditionellen bayerischen Wollstoff. Inzwischen haben es die Stoffe aus Tirschenreuth sogar bis nach Hollywood geschafft. Immer wieder melden sich Film-Produktionsfirmen wegen spezieller Stoffe für historische Filme. Darunter war übrigens auch der Film „Grand Budapest Hotel“, der mit einem Oskar für die besten Kostüme ausgezeichnet wurde. Bei Mehler ist man – mit Recht – stolz darauf. 

Auch Öko-Textilien oder Stoffe für Uniformen gehören zur Produktpalette. Möbelhersteller versorgt die Firma Mehler ebenfalls. „Von der Faser bis zum Anzug“ – der Hersteller kann ganz flexibel auf Kundenwünsche eingehen. „Mit dem Blick auf die Zukunft müssen wir offen sein für Neues und in Bewegung bleiben“, sagt Maximilian Mehler. 

Vom Schlafzimmer ins Büro

Die große Familien-Tradition macht die Tuchfabrik Mehler zu etwas Besonderem, findet er: „Wir sehen uns nicht als Unternehmen, das nach Gewinnmaximierung strebt. Wir sehen uns eher wie eine Unternehmensfamilie, in der man sich gegenseitig hilft, sowohl im Privaten als auch im Job.“ Die Verbundenheit der Familie mit der Firma ist groß, fast alle Familienmitglieder wohnen auf dem Fabrikgelände: „Von meinem Schlafzimmer bin ich schneller im Büro als in meiner Küche!“

Die rund 120 Mitarbeiter stehen zum Unternehmen, viele sind der Firma seit vielen Jahren treu. Dennoch ist die Gewinnung neuer Mitarbeiter eine Herausforderung. Den Herausforderungen des Wettbewerbs begegnet die Firma Mehler vor allem mit gutem Service. „Wir können die meisten Bestellungen sofort bedienen, da wir alle Arbeitsschritte vor Ort durchführen und auch unser komplettes Lager in Tirschenreuth haben“, sagt Mehler. Konsequent wird deshalb ein weiteres Hochregallager gebaut – ein echtes Generationenprojekt. Die Mehlers wollen nachhaltig und partnerschaftlich mit ihren Kunden und Lieferanten arbeiten: „Wenn mal jemand in Not ist, sind wir je nach Situation sehr entgegenkommend.“

Zurück zu den Wurzeln

Nach einem Studium (International Business) macht Maximilian Mehler jetzt eine Ausbildung als Textilveredler. Trotz der Jahre im Ausland ist Tirschenreuth immer seine Heimat geblieben, deshalb hat es sich nicht merkwürdig angefühlt, zurückzukommen. Die Stadt hat sich in seiner Abwesenheit sehr positiv entwickelt. Es kommen zum Beispiel mehr Menschen zum Arbeiten hierher als auspendeln. Die Stadt Tirschenreuth hat diese Entwicklung seiner Meinung nach achtsam begleitet und unterstützt. Wirtschaft und Politik arbeiten hier Hand in Hand. Und man ist selbstbewusst angesichts der wirtschaftlichen Erfolge. Die Freizeit-Angebote einer Großstadt vermisst Maximilian Mehler nicht: „Für die Größe, die Tirschenreuth hat, ist für die Freizeit echt viel geboten.“

Mehlers erklärtes Ziel: Das traditionelle Handwerk zu bewahren und gleichzeitig das Unternehmen seiner Familie fit zu machen für die Zukunft. Mit Erfolg. Er ist Teil der Kampagne "Platz für..." der Metropolregion Nürnberg