Stummfilmwoche Regensburg zeigt Hochkaräter aus den frühen 20ern

Die Magie des frühen Kinos wird sichtbar und spürbar, wenn ein Stummfilm über die Leinwand flackert. Schwarz-weiß, grobkörnig und doch voller Charme präsentieren sich die Werke aus den 20er-Jahren. Im August gibt es Klassiker des Stummfilms in Regensburg zu sehen.

Dem österreichischen Stummfilm "Stadt ohne Juden" wird prophetische Weitsicht hinsichtlich der Geschehnisse im Dritten Reich zugeschrieben. Foto: Filmarchiv Austria

Fans des Stummfilms sind von 13. bis zum 22. August in Regensburg genau richtig. Bei der Regensburger Stummfilmwoche stehen fünf hochkarätige Klassiker aus den frühen 1920er-Jahren zum Thema "Juden und Christen" auf dem Programm. In diesen setzten sich führende europäische Filmemacher mit grundlegenden Fragen der Menschheit in Zeiten des Umbruchs auseinander – so auch dem Zusammenleben von Juden und Christen.

Erstmals gibt sich die Stummfilmwoche damit heuer einen thematischen Schwerpunkt. Inhaltlich lehnt er sich an das Jahresthema der Stadt Regensburg "Stadt und Gesellschaft" an, dessen historischer Anlass das Gedenken an die Vertreibung der Juden 1519 ist.

Die Vorstellungen sind immer ein Erlebnis, denn Stummfilme sind ja nicht stumm! Hochkarätige Musiker schaffen neue Partituren, interpretieren die Filme auf ihre ganz eigene Weise und tragen sie ins Heute. Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Karten gibt es auf stummfilmwoche.de, in der Tourist Info und an der Abendkasse.

Die Filme

Das alte Gesetz

Die Eröffnung am 13. August bringt die Berlinale nach Regensburg. Letztes Jahr feierte nämlich die aufwendig rekonstruierte Fassung von "Das alte Gesetz" dort Premiere, musikalisch gestaltet vom Jewish Chamber Orchestra Munich unter der Leitung von Daniel Grossmann. Diese Vorstellung kann dank der Förderung der Stadt Regensburg live in die Neupfarrkirche geholt werden. Sie gibt einen authentischen Blick in ein Schtetl in Osteuropa um 1860. Der Sohn eines Rabbiners will Schauspieler werden und geht nach Wien, was mit den familiären Konventionen nicht zu vereinbaren ist

Nathan der Weise

Am 14. August treffen in "Nathan der Weise" drei Weltreligionen aufeinander. Das Aljoscha-Zimmermann-Ensemble (Violine & Piano), Stammmusiker der Stummfilmwoche, begleitet den Film und das Publikum nach Jerusalem.

Die Gezeichneten

Die letzte Vorstellung in der Neupfarrkirche, die auf dem Schutt des Jüdischen Viertels errichtet wurde, ist am 15. August für "Die Gezeichneten" reserviert. Der Film von 1922 zeichnet nach, wie schnell Vorurteile in einem Pogrom gipfeln können. Den Klassiker von Carl Theodor Dreyer wird Nina Goslar von der ARTE-Filmredaktion im ZDF einführen, die dort seit rund 25 Jahren Stummfilme wiederentdeckt und ins Programm bringt. Und Rainer J. Hofmann hat Musik frisch für die Orgel komponiert.

Die Stadt ohne Juden

Die zweite Hälfte der Stummfilmwoche ist im Jüdischen Gemeindezentrum zu Gast und zeigt am 21. August, wie "Die Stadt ohne Juden" aussehen könnte. Der gleichnamige Roman und der Film spielen in der aktuellen Zeit, also in den Zwanzigern, und ihnen wird prophe­tische Weitsicht hinsichtlich der Geschehnisse im Dritten Reich zugeschrieben. Kurz nach der Premiere wurde der Autor des Buches von einem Nationalsozialisten erschossen. Vsevolod Pozdejev am Flügel begleitet diese Satire.

Der Golem, und wie er in die Welt kam

Der letzte Abend am 22. August gehört dem bekanntesten Film der Reihe: "Der Golem, und wie er in die Welt kam". Der mystische Mann aus Lehm wird von Rabbi Loew im Prag des 16. Jahrhunderts zum Leben erweckt, um die jüdische Gemeinde zu beschützen. Das klappt zunächst, aber der künstliche Mensch gerät außer Kontrolle. Der Golem war einer der international größten Erfolge des deutschen Kinos und ist noch heute – nicht nur wegen seiner expressionistischen Bauten – eines der bekanntesten Werke der Stummfilmzeit. Er erzählt von Existenzkampf, Verzweiflung und Hoffnung, eindrucksvoll in die Moderne geholt mit der Live-Musik des Aljoscha-Zimmermann-Ensembles.

Das Zusatzprogramm

6. August bis 17. August

Fotoausstellung im Donaueinkaufszentrum (vor Drogerie Müller): VorBilder. Die Modernisierung des Frauenbildes in den Anfängen des Kinos (organisiert von cinEScultura, in Kooperation mit der Spanischen Botschaft in Berlin). Die Ausstellung feiert die Frauen des frühen Films, der Schwerpunkt liegt auf Nahaufnahmen der Leinwandgöttinnen des US-Kinos 1914-1936, nicht wenige davon haben jüdischen Hintergrund. Sie sind Pionierinnen, die unabhängige Frauen verkörpern und den Ausbruch aus traditionellen Rollen wagten.

Sonntag, 18. August, 11:00 Uhr

Gottesdienst anlässlich der Stummfilmwoche (Neupfarrkirche)

Sonntag, 25. August

Gemeinsame Fahrt nach München zur Ausstellung "Die Stadt ohne. Juden Ausländer Muslime Flüchtlinge" im NS-Dokumentationszentrum München. Treffpunkt: Hauptbahnhof Reisezentrum, 9:15 Uhr

Aktuelle Nachrichten aus Regensburg und der ganzen Oberpfalz bekommst Du jetzt auch über WhatsApp und Co. Melde Dich gleich hier für unseren Messengerdienst an.