London stellt die Uhr nach Oberpfälzer Handwerkskunst: Lamberts Glas fertigt Ziffernblätter für Big Ben

Oberpfälzer Handwerkskunst wird schon bald auf Millionen von Urlaubsfotos zu sehen sein: Die Glasmanufaktur Lamberts aus Waldsassen produziert nämlich aktuell vier neue Ziffernblätter für den Glockenturm des Big Ben in London.

1.200 Glasscheiben für die vier Ziffernblätter des Big Ben stellen Glasmachermeister Robert Santl und seine Kollegen von der Firma Lamberts im Mundblasverfahren her. Foto: Glashütte Lamberts

Instagramer, Touristen und Fotografen lieben den Glockenturm des Big Ben in London. Einer Studie zufolge ist der 96 Meter hohe Gigant an der Themse eine der meistfotografierten Sehenswürdigkeiten der Welt. Nur der Eiffelturm wurde in der Vergangenheit öfter abgelichtet.

Aktuell sieht es aber schlecht aus mit Fotos. Denn der Elizabeth Tower, umgangssprachlich Big Ben genannt, ist eingerüstet, das Glockengeläut bis auf wenige besondere Anlässe verstummt und nur noch auf Twitter zu verfolgen. Denn der komplette Westminster-Palast, zu dem auch der knapp 160 Jahre alte Glockenturm gehört, wird restauriert.

Maßgeblich beteiligt an der Generalsanierung, deren Kosten auf etwa 3,5 Milliarden Pfund (vier Milliarden Euro) geschätzt werden, ist auch eine Oberpfälzer Firma. Die Glashütte Lamberts aus Waldsassen produziert nämlich die riesigen vier neuen Ziffernblätter von denen ganz London ab 2021 die Uhrzeit ablesen wird. 1.200 Glasscheiben werden für diese Ziffernblätter mit einem Durchmesser von jeweils sieben Metern benötigt und von zehn Lamberts-Mitarbeitern im Mundbalsverfahren hergestellt.

Wir von oberpfalz.de sind schwer beeindruckt von so viel weltweit berühmter Oberpfälzer Handwerkskunst. Daher haben wir mit Robert Christ, Marketingleiter bei der Glashütte Lamberts, über Handwerkskunst made in Oberpfalz und die Fenster der Queen gesprochen.

Oberpfalz.de: Wie kommt eine mittelständische Firma aus Waldsassen an so einen fast schon majestätischen Auftrag?
Robert Christ: Das ist definitiv ein besonderer Auftrag, auch wenn wir in diesem hochwertigen Architektur-Bereich bereits bekannt sind. Mit der in London ausführenden Firma haben wir mehrfach zusammengearbeitet. Auch das Glas für andere Projekte in London wie etwa das Thronjubiläumsfenster für die Queen sind aus mundgeblasenem Lamberts Glas.

Big Ben ist DAS Londoner Wahrzeichen schlechthin. Wäre es da nicht naheliegender gewesen, wenn eine britische Firma den Zuschlag bekommen hätte?
Christ:
Es gibt keine englische Firma, die mundgeblasenes Glas in dieser Qualität hätte liefern können. Lamberts ist Weltmarktführer in diesem Bereich.

Jede einzelne Scheibe ist mundgeblasen. Was unterscheidet diese Glas von maschinell gefertigtem?
Christ: Jede Tafel ist ein Unikat und das Glas mutet auf jeden Fall wesentlich schöner an.

Was meinen Sie mit „schöner“?
Christ: Wir haben den Anspruch an uns selbst, das weltweit schönste Glas zu fertigen. Nun ist „schön“ sehr subjektiv, aber wenn Sie den Unterschied von maschinell hergestellten Glas zu unserem Manufakturprodukt sehen, dann wissen Sie genau, was ich meine. Ein von Menschenhand gefertigtes Produkt ist immer etwas Besonderes.

Wenn Sie sich, egal wo auf der Welt, ein Gebäude aussuchen dürften, welches würde Lamberts mit seinen Unikaten ausstatten wollen?
Christ: Kein spezielles Gebäude, aber ich würde mir sehr wünschen, dass die aus mundgeblasenem Lamberts Glas gefertigten „Stelen der Toleranz“ von dem Künstlers Karl-Martin Hartmann noch weltumspannender gebaut werden. Toleranz ist es nämlich genau, was unsere Welt so dringend braucht!