Eine Reise in die Oberpfalz: Urlaub "dahoam"

Benjamin Zwack ist ein gebürtiger Oberpfälzer, lebt aber schon seit vielen Jahren fernab der Heimat. Bei einer Reise will er die Oberpfalz noch einmal ganz neu für sich entdecken und ist überrascht. Ein persönlicher Reisebericht.

Benjamin Zwack ist in der Oberpfalz geboren, lebt aber schon seit Jahren fernab der Heimat. Aus dem Blick verloren hat er sie nie. Foto: Benjamin Zwack

"Ich gebe zu: Für meine zurückliegende Reise in die Oberpfalz habe ich mich etwas mehr vorbereitet, als ich das sonst tue. Normalerweise genügt ein halbwegs gefüllter Tank oder ein Zugticket und die knapp vierhundert Kilometer zwischen Brixen in Südtirol - wo ich seit vielen Jahren lebe und arbeite - und der Oberpfalz können kommen.

Diesmal sollte es gleich eine Urlaubswoche sein, zwischen Donau und Naab. Und dazu ein Kopf voller Fragen: Wie ist das, wenn man seine alte Heimat wieder einmal ganz bewusst wahrnimmt? Wenn man die Augen offen hält für Veränderungen und man Vergleiche zieht, zwischen der alten Heimat Oberpfalz und der neuen Heimat Südtirol? Kurzum: Wenn die Spitzen des Regensburger Doms eben nicht einfach so im Augenwinkel vorbeirauschen, bevor man in den Pfaffensteiner Tunnel eintaucht?

Regensburg klingt jetzt international

Fast auf den Tag genau vor 17 Jahren haben mich zunächst mein Studium, später dann berufliche Stationen in München, Wiesbaden und eben dem italienischen Brixen aus der Oberpfalz hinausgeführt. Heute bin ich zu Gast in Ostbayern, und staune schon beim Verlassen der Autobahn: In Regensburg wurde und wird gebaut! Wenn neue Gebäude und Firmengelände ein Indikator für wirtschaftlichen Aufschwung sind, dann ist er in der Oberpfalz fraglos angekommen. Und die Stadt klingt bei einem ersten Spaziergang so international, wie ich sie noch nie erlebt habe: Schon mittags im Biergarten des Klosters Weltenburg italienische Besucher, die sich unter dem Klang der Maßkrüge eine Schweinshaxe schmecken lassen und dabei vorurteilsfrei alle Raffinessen der leichten mediterranen Küche vergessen: „Che pesante, ma molto buono...“ Herrlich!

Auf der Steinernen Brücke, am Domplatz und im Hotel waren dann amerikanische Gäste tonangebend, deren breite Aussprache interessanterweise eine geradezu harmonische Symbiose mit dem diphtonglastigen „ou“ der einheimischen Oberpfälzer eingeht. Seit meine letzten Gehversuche im oberpfälzischen Dialekt mit einem barschen „Du bist oba niad vo dou!“ quittiert worden waren, begnüge ich mich mit der Erkenntnis, dass wahre Oberpfälzer zum einen ungemein herzlich sein können, zum anderen aber eigentlich eh nur reden, wenn sie dies für dringend erachten... So halte ich es für den Rest meines Oberpfalz-Urlaubs auch.

 

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Sand in den Schuhen

Und Schweigen war keine schlechte Idee: Ob der Landschaft (Roadtrip durch Südschweden? Nehmt eine Oberpfälzer Landstraße!), ob der vielen kulturellen Highlights, die sich in den vergangenen Jahren in beeindruckender Weise herausgeputzt haben (Kallmünz, Amberg und vor allem Nabburg mit seiner „Venedig“), ob der tollen Sterneküche, die in der Oberpfalz entstanden ist oder ob der sportlichen Möglichkeiten: Ich bilde mir ein, noch immer Sand in meinen Schuhen von einem spontanen „Bergabenteuer“ auf dem Monte Kaolino zu spüren… Und die Zeitung und viele Internetportale sind voll von Stellenangeboten, von jeder Menge Hightech ist da zu lesen, fernab von teuren, übervollen Großstädten. Das gab es vor 20 Jahren in dieser Form sicher nicht!

Die Tage in der Oberpfalz sind vorüber, „staad“ ist es bei der Rückreise von der alten in die neue Heimat. Wie ist sie denn nun, die Oberpfalz? Oder besser: Habe ich etwas vermisst? Ein klares Nein!"

 

Benjamin Zwack, aufgewachsen in Pfreimd und zur Schule gegangen in Nabburg, betreut Kommunikation und Marketing für das Hotel Elephant in Brixen, eines der ältesten Hotels Italiens. Daneben bearbeitet er Kongress- und Kulturtourismusprojekte und absolviert gegenwärtig seinen MBA mit dem Schwerpunkt Tourismusmanagement.

 

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