"ALLES BLEIBT ANDERS" im Theater Regensburg

26 Premieren – darunter neun Uraufführungen und zwei deutschsprachigen Erstaufführungen – das steht auf dem Programm des Theater Regensburg für die kommende Spielzeit. Neben Neuem und Aktbewährtem erwartet das Publikum auch eine kleine Sensation.

Leitungsteam 2021/22: unten: Maria-Elena Hackhbarth (Junges Theater), Klaus Kusenberg (Interimsintendant, Schauspiel), Mitte: Christina Schmidt (Musiktheater), oben: GMD Chin-Chao Lin, Georg Reischl (Tanz) Foto: JochenQuast | Theater Regensburg

Ungewöhnliche Zeiten wie diese verlangen nach einem passenden Motto, findet das Theater Regensburg: "ALLES BLEIBT ANDERS" lautet deshalb die Überschrift für das Programm der Spielzeit 2021/22. Ein Motto, das die schwankenden Gefühle zwischen Corona-Angst und Kunstbegeisterung, zwischen notwendiger Erneuerung und ersehnter Rückkehr zum Bewährten in Worte fassen möchte. Aufbruch, Trost und Mut steckt darin, ohne die Realität zu leugnen. Denn wo alles anders bleibt, ist auch alles möglich.

Bleiben wird in diesem Jahr auf jeden Fall viel Bewährtes und Beliebtes. Unter den künstlerischen Leitungen werden die Ensembles weitestgehend erhalten bleiben. Zudem freut sich das Theater Regensburg, mit einem flexiblen Konzept wieder zu einem Abonnementsystem zurückzukehren.

Ein neues Theater für Regensburg

Doch auch Neues und Anderes erwartet das Publikum in Zukunft – bis hin zu einer kleinen Sensation: In Regensburg wird ein neues Theater eröffnet! Da das Velodrom aus Gründen der Brandschutzsicherheit saniert werden muss, zieht das Theater Regensburg vom Arnulfsplatz ins Kasernenviertel und lädt ab Februar 2022 das Publikum in das nicht mehr wiederzuerkennende, frisch sanierte und umgebaute Antoniushaus ein.

Ein weiteres Highlight der kommenden Saison ist die Installierung einer spartenübergreifenden Hausautorin. Maria Milisavljević, preisgekrönte Schriftstellerin aus Berlin, bindet sich fest für ein Jahr ans Regensburger Theater. Je eine Uraufführung im Schauspiel und Jungen Theater wie auch das Libretto eines Kinderkonzertes stammen nächste Spielzeit aus ihrer Feder.

 

SPIELPLAN 2021/22 AM THEATER REGENSBURG

Musiktheater (Leitung: Christina Schmidt):
Die Spielzeit wird eröffnet mit Le nozze di Figaro (Die Hochzeit des Figaro) von Wolfgang Amadeus Mozart. An nur einem einzigen tollen Tag werden in diesem wunderbaren Ensemblestück nicht nur Liebesbeziehungen, sondern auch die gesellschaftliche Ordnung befragt. Arila Siegert, die in ihren körperbetonten Inszenierungen Musiktheater und Choreographie miteinander verbindet, konnte für diese Produktion gewonnen werden.

Mit Werther von Jules Massenet steht eine französische Oper auf dem Spielplan. Goethes Briefroman über den jungen Werther, der an einer unmöglichen Liebe und der Welt zerbricht, war die Vorlage für Massenet. Nurkan Erpulat, 2020 mit dem Nestroy-Theaterpreis ausgezeichnet, wird gemeinsam mit der Choreographin Modjgan Hashemian dieses hochemotionale Werk auf die Bühne bringen.

Die Fledermaus, Johann Strauß’ feucht-fröhliche Operetten-Eskalation, inszeniert Cusch Jung, der Chefregisseur der Musikalischen Komödie Leipzig und ehemalige Solist des Berliner Theater des Westens. Die Konzeption dieser Produktion fand schon in der vergangenen Spielzeit statt, konnte jedoch nicht realisiert werden. Nun findet der schöne Entwurf von Ausstatterin Karin Fritz endlich seinen Weg auf die Bühne.

Im Januar 2022 steht die Uraufführung einer neuen Oper von Anton Lubchenko, dessen Doktor Schiwago schon am Theater Regensburg zu erleben war, auf dem Spielplan. Nach dem großen Erfolg dieser Literaturvertonung hatte Jens Neundorff von Enzberg den Komponisten erneut eingeladen, ein Auftragswerk für das Theater Regensburg zu schreiben. Pandemiebedingt musste die Produktion leider abgesagt werden und wird nun 2022 das Licht der Welt erblicken. Lubchenko hat sich für die Vertonung der Romanvorlage von Jewgeni Samjatin musikalisch neu erfunden. Er schlägt in der grotesken Dystopie WIR (Мы), in der Menschen nur noch Nummern in einem gleichgeschalteten Staat sind, ungewohnte und ironische Töne an. Mit doppelbödigem Humor wird Johannes Pölzgutter dieses brisante Werk zur Uraufführung bringen.

Eines der erfolgreichsten Broadway-Musicals aller Zeiten ist erstmals am Theater Regensburg zu erleben: Das mit sieben Tony Awards ausgezeichnete Kultmusical Chicago ist eine lustvolle Medien- und Gesellschaftssatire über zwei Mörderinnen, die trotz – oder gerade wegen ihrer Taten – zu Stars werden. Songs wie „All that Jazz“, „Cell Block Tango“ oder „If You’re Good to Mama“ machen Chicago auch musikalisch zu einem echten Musical-Hit! (ML: Alistair Lilley, R: Christina Schmidt).

Turandot, Puccinis letzte Oper, beschließt den Premierenreigen. Die Geschichte über die Prinzessin Turandot, die nur den Mann heiraten wird, der ihre drei Rätsel lösen kann, blieb ein Fragment. Nicola Raab, die seit Jahren als Regisseurin international gefragt ist, kehrt mit der Inszenierung von Turandot an das Theater Regensburg zurück und damit an den Ort, an dem sie ihre ersten Theater- erfahrungen sammeln konnte.

 

SCHAUSPIEL (Direktion: Klaus Kusenberg)

Einen besonderen Schwerpunkt gibt es in der kommenden Spielzeit mit Werken von lebenden Autor:innen. Im Theater am Haidplatz werden durch die Bank Uraufführungen oder deutschsprachige Erstaufführungen präsentiert. Die Stücke kommen aus Deutschland, Italien, England – und ein Projekt soll dieser Internationalität besonders Ausdruck verleihen. Geplant wird eine internationale Kooperation in Europa zur Förderung zeitgenössischer Dramatik und internationaler künstlerischer Zusammenarbeit, die in einer Uraufführung kulminieren wird. Während hier das Thema noch ganz offen ist, beschäftigen sich die weiteren Stücke mit der Faszination und der Gefährlichkeit von Rechtsextremismus (Alarm!), mit Genderthematik im Sport (Ladies Football Club) oder mit der Klimakatastrophe (Keinland). Bereits zum sechsten Mal bringt Klaus Kusenberg ein Stück von Alan Ayckbourn in Deutschland zur Erstaufführung (Happy Birthdays).


Die neue Hausautorin Maria Milisavljević wird zur Eröffnung der Saison für das Velodrom Ibsens „nordischen Faust“ als Peer Gynt (she/her) aus feministischer Sicht neu überschreiben. Regie führt dabei Julia Prechsl, deren Arbeit dem Regensburger Publikum aus den vergangenen Jahren bereits vertraut ist.

Die Spielzeit geht zu Ende mit einer weiteren Adaption: Cilli Drexel wird Patrick Marbers sommerlich-leichte Bearbeitung Drei Tage auf dem Land nach dem russischen Klassiker von Iwan Turgenjew inszenieren und dabei die gesamte Palette der Liebe präsentieren. S

Selbstverständlich kommen aber auch die originalen Klassiker nicht zu kurz: Richard III ist eine erschreckend aktuelle Analyse über politische Machtstrukturen. Nicht weniger gesellschaftskritisch ist Max Frischs Biedermann und die Brandstifter. Das „Lehrstück ohne Lehre“ wird von der jungen und erfolgreichen Regisseurin Sapir Heller inszeniert. Mit der weltberühmten und kapitalismuskritischen Dreigroschenoper läuten das Theater Regensburg ein besonderes Ereignis ein: Diese Premiere wird das neue Theater im Antoniushaus feierlich eröffnen. Um dieser neuen Heimat näher zu kommen, möchte das Theater Regensburg von der Historie des Ankommens in diesem Viertel lernen. In Gesprächen und Begegnungen recherchiert das Team um Regisseur Michael Uhl in den nächsten Monaten im Stadtteil. Das Kasernenviertel wird dann im interaktiven Theaterzug Nachbarn selbst zur Bühne werden.

 

Tanz (Künstler. Leiter und Chefchoreograph Georg Reischl)
Die Spielzeit beginnt mit einem spannenden Abend, der sich mit Veränderungen in der Gesellschaft und der Natur beschäftigt. Sand (Uraufführung) konnte letzte Spielzeit nur einmal vor knapp 200 Zuschauer:innen gezeigt werden. Georg Reischl hat daher beschlossen, diesen Abend einem größeren Publikum zugänglich zu machen, da ihm, seinem Team und den Tänzer:innen diese Produktion und seine Botschaft sehr am Herzen liegen.

Für die Uraufführung von Mozart holt Georg Reischl mit Luca Signoretti einen jungen Gastchoreographen an das Theater Regensburg, der schon mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde. Georg Reischl und Luca Signoretti widmen dem Ausnahmemusiker und -menschen einen Tanzabend, in dem die Musik den Ausgangspunkt bildet. Ein facettenreicher Abend – mit 100 Prozent Mozart als Soundtrack, gespielt vom Philharmonischen Orchester Regensburg.

TANZ.FABRIK! ist das bewährte Format für die Tänzer:innen des Ensembles. Sie wechseln die Seite vom Tänzer zum Choreographen und können ihre eigene Tanzsprache formulieren. Ein wichtiges und bewährtes Format geht in die neunte Runde! Der Tanz erobert sich mit diesem Abend die neue Bühne im Theater im Antoniushaus.

Nachdem in der vergangenen Spielzeit keine AidsTanzGala stattfinden konnten, geht es in dieser Spielzeit weiter. Zum 18. Mal werden nationale und internationale Gäste bei der Internationalen AidsTanzGala am 13. November 2021 der Tanzsaison ein Glanzlicht aufsetzen.

 

Das JUNGE THEATER (Leitung Maria-Elena Hackbarth)
Eröffnet wird die Spielzeit 2021/22 mit einer Adaption des Kinderbuchbestsellers Die große Wörterfabrik (6+) (Regie: Odette Bereska). In einem Land, in dem jedes Wort Geld kostet, scheinen nur die Reichen eine Stimme und damit das Sagen zu haben. Paul hat nur drei Wörter und doch gelingt es ihm, mit Mut und Phantasie Marie etwas sehr Wichtiges zu sagen.

In Wutschweiger (10+) (Regie: Michael Uhl) treten zwei Kinder in den Streik – sie sprechen nicht mehr, weil sie vorher niemand hören wollte. Der plötzliche soziale Abstieg ihrer Familien hat sie an den sogenannten Rand der Gesellschaft gedrängt. Aber ihr Schweigen ist laut. Ein schonungsloses, mutmachendes und humorvolles Theaterstück, das ein akutes Problem inmitten unserer Gesellschaft aufgreift.

In Deportation Cast (15+) (Regie: Harald Fuhrmann) wird das Junge Theater ein Thema auf die Bühne bringen, das derzeit zu wenig Beachtung findet: die Abschiebung von asylsuchenden Familien in ihre vermeintlich sicheren Herkunftsländer. Welche Folgen das gerade für Kinder und Jugendliche haben kann, zeigt dieses berührende und kunstvoll gebaute Stück eindrucksvoll.

Was macht das Leben lebenswert? Nach dem Selbstmordversuch seiner Mutter schreibt ein 7-jähriges Kind eine Liste, die es sein Leben lang begleiten wird. Wie sich die Krankheit Depression auf das Leben einer Familie auswirkt, davon handelt All das Schöne (13+) (Regie: Tamira Kalmbach) – ein so tief ergreifender wie umwerfend komischer Monolog und ein rauschendes Plädoyer für das Leben.

Eine besondere Uraufführung folgt im April: Hausautorin Maria Milisavjević wird nach der erfolgreichen Uraufführung von Das schaffen wir! Oder: Einer hat die Absicht eine Mauer zu bauen (14+) (Wiederaufnahme im Januar 2022) wieder ein Stück für das Junge Theater schreiben: SCHREI ES RAUS! — (it’s about) what YOU said“ (12+) (Regie: Maria-Elena Hackbarth). Das Thema bestimmt das Publikum! Bis August 2021 ruft das Theater Regensburg alle Jugendlichen ab 12 Jahren auf, ihre Themen zu schicken.

Endlich auf der Bühne des Velodroms zu erleben: der Märchenklassiker Die Bremer Stadtmusikanten (6+), erzählt mit viel Humor, Lebendigkeit und natürlich Musik.

Für das jüngstes Publikum zeigt das Theater das Stück Nein!Nein!Nein! (3+), das sich mit Wut und anderen Gefühlslagen auseinandersetzt. Weiterhin auf dem Spielplan: Satelliten am Nachthimmel (10+), mit dem das Junge Theater Regensburg zum 1. Bayerischen Kinder- und Jugendtheatertreffen SÜDWIND eingeladen wurde. Auch im Kinder- und Jugendclub und den Workshops sind die Ideen und Gedanken der Kinder und Jugendlichen gefragt: In den Uraufführungen I need a hero!? Eine Held:innenreise (14+) und Kinder haften für ihre Eltern (8+) bringen Kinder und Jugendliche ihre Sicht der Welt auf die Bühne.

 

KONZERTPROGRAMM (GMD Chin-Chao Lin)

Der international renommierte Pianist Freddy Kempf wird mit dem zweiten Klavierkonzert von Dmitri Schostakowitsch im Regensburger Neuhaussaal zu Gast sein. Juliana Koch, Solo-Oboistin des London Symphony Orchestra und Preisträgerin des ARD-Musikwettbewerbs, interpretiert das Oboenkonzert von Richard Strauss.

Pjotr Skweres, Solocellist des WDR Funkhausorchesters, wird ein Violoncellokonzert seines Bruders Tomasz Skweres uraufführen. Tomasz Skweres, Solocellist des Philharmonischen Orchesters, ist damit zum wiederholten Male als Komponist im Sinfoniekonzertprogramm präsent. Mit Konzertmeister Johannes Plewa und Solofagottist Ralf Müller sind außerdem Solisten aus den Reihen des Philharmonischen Orchesters vertreten.

Ein Höhepunkt der Spielzeit ist das Konzert im Audimax der Universität mit der üdkoreanische Violinistin Bomsori Kim. Sie war Preisträgerin bei zahlreichen internationalen Wettbewerben und gilt als eine der faszinierendsten Geigerinnen der Gegenwart. Im Audimax wird sie mit Pjotr Tschaikowskys Violinkonzert zu erleben sein. Das hoch anspruchsvolle, romantische Programm dieses Konzerts umfasst außerdem die zweite Sinfonie von Sergej Rachmaninow. Generalmusikdirektor Chin-Chao Lin widmet es in besonderer Weise den hochgeschätzten Musiker:innen des Philharmonischen Orchesters und dem Regensburger Konzertpublikum.

Unter dem Motto Gemeinsam sind wir Klassik lädt das Theater Regensburg außerdem zu einem kostenlosen Picknick-Konzert im Regensburger Ostpark ein. Zudem erwartet das Publikum auch in dieser Saison das festliche Neujahrskonzert, eine glanzvolle Gala zum Muttertag sowie ein vielfältiges Angebot an Kammermusik und Jungen Konzerten.

 

Den Spielplan 2021/2022 kannst Du Dir auch hier als pdf-Datei herunterladen >>>

Der Abonnement-Verkauf startet am 8. Mai 2021.