"5G4Healthcare": OTH Amberg-Weiden startet visionäres Projekt

Telechirurgie, Video-Sprechstunden per Livestream oder EKG-Echtzeitübertragung aus dem Rettungswagen: Zwei Forscher der OTH Amberg-Weiden möchten ebenjene Zukunftvisionen mittels 5G-Mobilfunkstandard wahr werden lassen. "5G4Healthcare" heißt das Projekt, welches die Gesundheitsversorgung von morgen revolutionieren soll.

Landrat Andreas Meier, Prof. Dr. Steffen Hamm, Präsidentin Prof. Dr. Andrea Klug, Dr. Thomas Egginger, Ärztlicher Direktor Kliniken Nordoberpfalz AG und Prof. Dr. Clemens Bulitta Foto: Alexander Seidl/OTH Amberg-Weiden

Die alleinstehende, 81-jährige Edith leidet unter Bluthochdruck und Diabetes. Sie wohnt in ländlicher Umgebung ohne Anbindung zum öffentlichen Nahverkehr. Wie kann sie zukünftig von Telemedizin oder Blutzuckermessung durch Sensorik profitieren?

Mit „5G4Healthcare“ lotet die Ostbayeische Technische Hochschule Amberg-Weiden (OTHAW) aus, wie Patient*innen im ländlichen Raum von der 5G-Technologie profitieren können. "Wir arbeiten an Konzepten für die Region und für die Menschen in der Region", sagt die Präsidentin der OTHAW, Prof. Dr. Andrea Klug. "Das gilt besonders für 5G4Healthcare. Mit dem Projekt finden wir innovative Lösungen, um die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum sicherzustellen. Das ist gut für die Patientinnen und Patienten vor Ort – und die gesamte nördliche Oberpfalz. Denn eine hochwertige Gesundheitsversorgung macht unsere Region attraktiv und zukunftsfähig."

Digitale Lösungen sollen nun Herausforderungen im ländlichen Raum, wie Überalterung der Gesellschaft, Fachkräftemangel und Engpässe in der Gesundheitsversorgung, entgegengestellt werden. "5G ist schneller, stabiler und zuverlässiger", sagt Prof. Dr. Clemens Bulitta, der das Projekt gemeinsam mit Prof. Dr. Steffen Hamm leitet. "Es verspricht die Übertragung hoher Datenmengen in Echtzeit. Damit bildet 5G die Grundlage für innovative medizinische Dienste." So könnten sich Ärzt*innen über große räumliche Distanzen hinweg beraten – medizinische Bilder und Daten werden dabei in Echtzeit übertragen. Operateur*innen verfolgen die OP über hochauflösende Videosysteme, während sie Skalpell und Tupfer mit Roboterarmen fernsteuern. Voraussetzung dafür ist eine störungsfreie 5G-Übertragung ohne Verzögerungen.

Zusätzlich zu den allgemeinen Zukunftsvisionen haben die Forschenden zwei konkrete Einsatzfelder definiert: häusliche Pflege und integrierte Versorgung. "Wir richten an vier Standorten der Kliniken Nordoberpfalz AG Living Labs ein, in Weiden, Eschenbach, Neustadt und Vohenstrauß", sagt Prof. Dr. Steffen Hamm. "An diesen Orten haben wir das Know-how und die Infrastruktur, um die verschiedenen Patienten-Szenarien zu untersuchen. Unser Augenmerk liegt dabei auf der Frage: Wie lässt sich mit 5G die Gesundheitsversorgung effizienter und effektiver gestalten? Aus den Ergebnissen entwickeln wir innovative Lösungen für unsere Region, die als Blaupause für einen bundesweiten Einsatz dienen werden."

Das Projekt "5G4Healthcare" beginnt – als eines von sechs Forschungsprojekten, die im Rahmen des 5G- Innovationsprogramms des Bundesverkehrsministeriums gefördert werden – ab sofort und läuft bis zum 31. Dezember 2022. Weitere Infos zum neuen 5G-Mobilfunkstandard findest du online unter: www.bmvi.de.