Gestaltungseinblick in Abteilung 1 der Bayerischen Landesausstel
Foto: Haus der Bayerischen Geschichte

„Götterdämmerung 2021“: Vorhang auf für die letzten Monarchen in Regensburg

Im Museum der Bayerischen Geschichte haben die Aufbauarbeiten für die Bayerische Landesausstellung 2021 „Götterdämmerung II – Die letzten Monarchen“ begonnen. Rund 140 Originale aus Museen und von privaten Leihgebern müssen bis Ende Juni aufwändig in Szene gesetzt werden.

Ende Juni halten die letzten Monrachen Einzug in Regensburg. In seinem Museum am Donaumarkt veranstaltet das Haus der Bayerischen Geschichte zusammen mit der Stadt Regensburg vom 23. Juni 2021 bis 16. Januar 2022 die Bayerische Landesausstellung 2021 „Götterdämmerung II – Die letzten Monarchen“. Inhaltlich und zeitlich schließt die Landesausstellung an die erfolgreiche Schau „Götterdämmerung: König Ludwig II.“ aus dem Jahr 2011 an. Damals war Herrenchiemsee der Ausstellungsort, jetzt wird die Welterbestadt Regensburg Gastgeber sein.

Geziegt werden die Lebenswege der letzten Monarchen vor der Revolution 1918. Kaiserin Elisabeth von Österreich, der bayerische König Ludwig III., Kaiser Wilhelm II. und das russische Zarenpaar – sie alle kämpften um ihren Platz in einer sich rasant verändernden Welt. Am Ende entschieden Weltkrieg und Revolution über ihr Schicksal.

Regieren, repräsentieren, resignieren?

In acht Abteilungen präsentiert die Landesausstellung edle, aber auch ungewöhnliche Schaustücke, die von Gegensätzen und Umbrüchen jener Zeit um 1900 berichten. Die britische Monarchin Queen Victoria etwa schenkte ihrem Sohn Alfred einen prächtigen goldenen Admiralsstab, der vielleicht auch als Trostpflaster diente, weil er seine Karriere bei der britischen Marine zugunsten des Herzoghauses Sachsen-Coburg und Gotha aufgeben musste. Sozusagen ein Stich ins Herz der Monarchie wurde 1898 in Genf verübt. Das Opfer war Kaiserin Elisabeth. Eine unscheinbare Feile war die Tatwaffe, die in der Ausstellung zu sehen ist. Und auch wenn die Frauen selbstbewusster wurden, so schlug doch Prinzessin Therese, Tochter des bayerischen Prinzregenten Luitpold, als Naturwissenschaftlerin und Forscherin einen absolut ungewöhnlichen Lebensweg ein. Von ihrer zweiten Südamerikareise 1898 brachte sie unter anderem ein lebendiges Gürteltier mit. Dieses ungewöhnliche Haustier

Kleid der Ex-Königin Marie umgearbeitet für die Muttergottes mUm die Jahreswende 1862/63 hält sich Marie im Kloster St. Ursula in Augsburg auf. Vermutlich bringt sie dort ein außereheliches Kind zur Welt. Aus Dankbarkeit schenkt sie den Dominikanerinnen eines ihrer kostbaren Kleider. Sie arbeiten es zum Prachtgewand für ihre Marienstatue um. Foto: Philipp Mansmann | Haus der Bayerischen Geschichte

Ein Stück mit einer ganz besonderen Geschichte ist das Kleid von Königin Marie von Neapel-Sizilien, einer Schwester von Kaiserin Elisabeth. Das aufwändig mit Pailletten, Metallfäden, Klöppel- und Leinenspitzen angefertigte Seidenkleid ist eine Leihgabe aus dem Kloster Wettenhausen, wo das Kleid zeitweise heute noch die Muttergottes und das Jesuskind schmückt.

Skandal um Ex-Königin Marie von Neapel-Sizilien?

Marie hielt sich um die Jahreswende 1862/1863 nach den Revolutionswirren in Italien und dem Untergang ihres Königreichs Neapel-Sizilien in Augsburg im Kloster St. Ursula auf. Der Grund war wohl eine außereheliche Schwangerschaft, die den Familienrat auf den Plan rief. In Possenhofen, dem heimatlichen Sitz der herzoglichen Familie Maries, kamen neben dem bayerischen König Maximilian II. und seiner Gemahlin Marie Friederike von Preußen auch das österreichische Kaiserpaar und damit Schwester Sisi hinzu. Zunächst wurde bestimmt, dass Marie im abgelegenen Schloss Biederstein am Englischen Garten in München untergebracht werden solle. Danach ging es für Marie am 5. Oktober 1862 ins Dominikanerinnen-Kloster St. Ursula nach Augsburg. Offiziell hieß es, Marie müsse sich von den dramatischen Ereignissen rund um die Festung Gaeta bei Neapel erholen. Dort hatte sie nämlich mit vollem kämpferischen Einsatz noch einmal versucht, ihr Königreich zu retten. Vermutlich aber hat sie am 24. November 1862 im Kloster St. Ursula eine uneheliche Tochter zur Welt gebracht. Das Kind kam zu Pflegeeltern, hier verlieren sich seine Spuren. Marie selbst kehrte nach einer Aussprache zu ihrem Mann nach Rom zurück.

Schwangerschaft und Geburt Maries lassen sich nicht hundertprozentig belegen, es sprechen aber einige Indizien dafür, dass es so war. Konkret überliefert ist der Aufenthalt der Ex-Königin im Augsburger Kloster. Zum Abschied schenkte Marie den Dominikanerinnen auch eines ihrer kostbaren Kleider. Da die Nonnen für sich selbst freilich wenig Verwendung für eine solch fürstliche Robe hatten, wurde das Kleid, bestehend aus Rock, Mieder und Schleier, zu einem Prachtgewand für die Marienstatue mit Jesuskind umgearbeitet und bei besonderen Anlässen, etwa der Fronleichnamsprozession, angelegt. Kleid und Marienstatue befinden sich heute im Kloster Wettenhausen, das die Augsburger Dominikanerinnen 1864 mit Unterstützung von König Maximilian II. als Kloster und Schule einrichten konnten.

Eine Landesausstellung ist viel Design und Handwerk

Die Landesausstellung 2021 ist ein Riesenprojekt. Ursprünglich war sie für Schloss Herrenchiemsee vorgesehen, im September 2020 dann kam der große Umbruch. Wegen der zu erwartenden schwierigen Corona-Rahmenbedingungen waren die Kooperationspartner Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung und der Landkreis Rosenheim abgesprungen. Ein neuer Ort musste für die inhaltlich bereits komplett durchgeplante Landesausstellung gefunden werden. Mit ein paar Eingriffen im Ausstellungskalender des Hauses der Bayerischen Geschichte in Regensburg wurde der 1.000 Quadratmeter große Donausaal im Erdgeschoss freigemacht. Es ist der modernste, flexibelste und Corona sicherste Ausstellungsbereich Bayerns. Dort wird die Landesausstellung nun vom 23. Juni 2021 bis 16. Januar 2022 gezeigt.

Stoff der Landesausstellung: Was wird eigentlich erzählt?

Die Bayerische Landesaustellung 2021 hat inhaltlich einen Vorläufer. Nämlich „Götterdämmerung – König Ludwig II.“ im Jahr 2011 im Schloss Herrenchiemsee, mit rund 600.000 Besucher:innen bis heute der absolute Kassenschlager unter den großen Sonder- und Landesausstellungsprojekten im deutschsprachigen Raum. Götterdämmerung II knüpft inhaltlich an die 2011er-Ausstellung an. Wir zeigen die Lebenswege der letzten Monarchen vor der Revolution 1918. Kaiserin Elisabeth von Österreich, der bayerische König Ludwig III., Kaiser Wilhelm II. und das russische Zarenpaar – sie alle kämpften um ihren Platz in einer sich rasant verändernden Welt. Am Ende entschieden Weltkrieg und Revolution über ihr Schicksal.

Drama am Anfang und am Ende: Große Medieninszenierungen

Diese und viele weitere Objekte lassen die Besucher:innen einen Blick in die Lebenswelt des Hochadels um 1900 werfen. Am Ende des Ersten Weltkriegs war die Monarchie aus der Zeit gefallen. Die Monarchen verschwinden von der Bildfläche. Noch ein letztes Mal trat die Monarchie in Bayern beim Begräbnis des letzten Königs Ludwig III. und seiner Frau aus dem Schatten. Gleich zu Beginn der Ausstellung nimmt eine raumfüllende Medieninszenierung die Besucher:innen mit zu diesem Ereignis. Medial nachempfinden kann man in der Götterdämmerung II auch den Wandel hin zu den modernen Zeiten und Ereignisse um den Ersten Weltkrieg. Verantwortlich hierfür ist ebenfalls Duncan McCauley aus Berlin. Die vielen weiteren Medienstationen in der Ausstellung werden von der Firma Pmedien GmbH aus München koordiniert.

Haus der Bayerischen Geschichte Regensburg bei NachtWie Bayern Freistaat wurde und was ihn so besonders macht - das vermittelt das Museum der Bayerischen Geschichte in neun Generationen von 1800 bis zur Gegenwart. Foto: Uwe Moosburger

Regensburg und die Donau

Die Donau verbindet zwei Monarchien, die in unserer Geschichte eine große Rolle spielen: Bayern und Österreich-Ungarn. Kaiserin Elisabeth aus dem Haus der Herzöge in Bayern fährt auf der Donau zur Hochzeit nach Wien. Später wird ihre Schwester Helene (1835-1890) ins Haus Thurn und Taxis in Regensburg einheiraten und dort nach dem Tod ihres Mannes (1867) die Geschäfte erfolgreich führen. Zwei typische Frauenschicksale für die Zeit.

Die Bayerische Landesausstellung wird von 23. Juni 2021 bis 16. Januar 2022 im Museum in Regensburg präsentiert. Zusätzlich gibt es mit Schloss Thurn und Taxis einen originalen Schauplatz der Zeit zu besichtigen.

Infos zur Ausstellung "Götterdämmerung II"

Haus der Bayerischen Geschichte | Museum, Donaumarkt 1, 93047 Regensburg

Laufzeit: 23. Juni 2021 bis 16. Januar 2022

Eintrittspreise:
Erwachsene: 12,00 € (Der Besuch der Dauerausstellung ist am selben Tag inbegriffen).
Ermäßigt: 10,00 € (z. B. Senioren, Schwerbehinderte, Gruppen ab 15 Personen)
Eintritt frei: Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre sowie Schüler im Klassenverband und Studierende bis 30 Jahre, sowie Mitglieder des Freundeskreises Haus der Bayerischen Geschichte

Schloss St. Emmeram – Originalschauplatz der Geschichte
Helene von Thurn und Taxis (1834-1890), Schwester von Kaiserin Elisabeth von Österreich, verheiratet mit Erbprinz Maximilian Anton von Thurn und Taxis lebte seit ihrer Hochzeit in Regensburg. 1890 starb sie in Schloss St. Emmeram. Vieles erinnert dort noch heute an sie. Besuchen den einzigen Originalschauplatz der Landesausstellung in Regensburg!
Weitere Informationen unter: www.thurnundtaxis.de

Die Stadt Regensburg rund um die Landesausstellung
Die Stadt Regensburg als Kooperationspartner des Hauses der Bayerischen Geschichte bietet ein vielfältiges Begleitprogramm zur Landesausstellung. An ganz unterschiedlichen Orten lassen Führungen, Konzerte, Filme, Ausstellungen und virtuelle Formate die Welt der „Götterdämmerung“ an der Wende vom 19. Zum 20. Jahrhundert auf lokaler Ebene wieder lebendig werden. Alle aktuellen Termine und Informationen zum Begleitprogramm unter: www.regensburg.de/landesausstellung-2021

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