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Foto: Simone Elliott

Das sind die Highlights der Kurzfilmwoche Regensburg 2022

Zur Filmmetropole wird Regensburg vom 18. März. bis zum 03. April – wenn die Shorts der Internationalen Kurzfilmwoche Regensburg über die Leinwände der Stadt flimmern. Das Thema: Transformation. Welche Highlights man beim hybriden Festival nicht verpassen sollte, liest Du hier.

Die Internationale Kurzfilmwoche Regensburg  lädt in diesem Jahr wieder ganz analog in die Kinos und flimmert auf den Leinwänden der Stadt. Denn in diesem Jahr lässt die Pandemiesituation ein analoges Filmfestival zu. Die Veranstalter:innen setzen auf eine hybride Edition – denn an der Online-Auflage war nicht alles schlecht. So konnten durch die digitalen Veranstaltungen Mernschen weltweit erreicht werden und nicht nur jene, die analog vor Ort in Regensburg sein konnten. Das wollen Insa Wiese, Gabriel Fieger, Michael Fleig und Team auch in Zukunft nutzen sowie ausbauen.  Außerdem verraten sie uns, ihre ganz persönlichen Highlights.

Apropos Insa Wiese: 2022 wird die langjährige Festivalleiterin das letzte Mal die Kurzfilmwoche eröffnen, denn nach zwölf Jahren verlässt sie ihr „Herzensprojekt“. Warum? Das erzählt sie uns in dem Artikel  Bye-bye Insa! Darling, Dankeschön für all die Filme

Insa Wiese: Persönliche Begegnungen und Transformation

Immersive Insa: Die Zukunft ist überall – mit oder ohne VR-Brille. Foto: Insa Wiese

Persönliche Begenung
Mein persönlich wichtigstes Highlight ist die Begegnung mit Menschen, um mich auch persönlich noch einmal bedanken und verabschieden zu können. Insofern freue ich mich sehr auf eine Präsenzveranstaltung.

Virtuelles Kino vom XR Hub Bavaria
Im Kontrast zum analogen Kino bin ich total gespannt auf das virtuelle Kino, das uns der XR Hub Bavaria zur Verfügung gestellt hat. Dort durfte ich vier Kinosäle mit unterschiedlichen bayerischen Filmbeiträgen bestücken. Und ich habe es mir nicht nehmen lassen, einen Film von Philipp Weber und mir in einem der Säle zu setzen. Ich habe den Film noch nie auf einer Leinwand gesehen (obwohl er auf zwei großen Festivals gelaufen ist: in Hamburg und in Winterthur). Man kann die Säle über den Browser besuchen oder geht mit einer VR-Brille hinein. Meine Oculus Quest wartet schon auf den Startschuss.

Sonderprogramm Transformation
Das Thema Transformation ist aktueller denn je. Nicht nur bei mir persönlich. Die letzten zweieinhalb Jahre haben Corona-bedingt viel bewegt und maßgeblichen Einfluss auf unseren Alltag gehabt. Insofern war es eine Freunde, sich Gedanken zu machen, auf welcher Ebene – Corona-unabhängig – überall eine Transformation stattfinden kann. Unser Programm ist abwechslungsreich und zeigt die Transformation in vier Bereichen: der Welt, der Beziehungen, der Gesellschaft und des Menschen.

Cat Days zeigt schon im Still, dass sich in diesem Short alles um Transformation dreht.

Tipps für Filmemacher
Ich freue mich sehr auf das Online-Panel über Einreichstrategien für Filmemacher:innen. Das ist für den regulären Kurzfilmfan eher ein nerdiges Thema, aber vielleicht mögen unsere Gäst:innen ja auch gern Nerdiges. Wir haben die Online-Events dieses Jahr für jeden Menschen geöffnet, in der Hoffnung, dass sie zum selber Filmemachen animieren. Wenn man also teilnehmen möchte, einfach eine Email an michael.fleig@kurzfilmwoche.de senden.

Online Talks mit Oberpfalz Marketing
Schlussendlich freue ich mich aber auch auf die Online-Talks, die wir gemeinsam mit dem Oberpfalz Marketing veranstalten. Da geht es zum einen um die Möglichkeiten der Filmförderung in der Oberpfalz und zum anderen um Filmfestivals, die in der Oberpfalz stattfinden. Säm Wagner (Bezirk Oberpfalz) und Anne Schleicher (Zwickl) sind zwei wichtige Kulturvertreter:innen in der Oberpfalz, die man als Kulturliebhaber:in unbedingt kennenlernen sollte.

Michael Fleig (Programm & Redaktion): Architektur und Online-Talks

Michael Fleig ist seit 2009 bei der Kurzfilmwoche Regensburg und u.a. mit für das Programm verantwortlich. Foto: Michael Fleig

Kurzfilm als Seismograph kultureller Verschiebungen
Aus den mehreren tausend Einreichungen, die wir jedes Jahr erhalten, lässt sich oft sehr gut rauslesen, was die Welt bewegt. Während der Sichtung für diese Festivaledition war eine Normalisierung von Beziehungskonstellationen abseits der Heteronormativität zu beobachten. Auffällig viele Beiträge zeigten Paare jenseits der Mann/Frau-Dualität, und zwar oft auch, ohne dass das selbst zum Thema des Films gemacht worden wäre.

Kurzfilmwoche-Lounge
Eine der spannendsten Aspekte eines Filmfestivals ist natürlich die Frage, was das Programm mit dem Publikum macht. Was bewegt, erheitert, verstört, oder, ja, spricht es auch nicht so an und verärgert es gar? Eine wichtige Funktion des Festivals ist es somit, nicht nur Kurzfilme zu zeigen, sondern auch Raum zum Austausch zu schaffen. Ein weiterer Vorteil des Online-Angebots ist die Erweiterung der Möglichkeiten hierzu durch unsere Kurzfilmwoche-Lounge, die online permanent geöffnet ist.

Installation Transformation
Bei den Präsenzveranstaltungen ist es dieses Jahr die Installation Transformation des Lichtbild-Künstlers Telemach Wiesinger, auf die ich besonders gespannt bin. Die Installation, die während des Festivalzeitraums in der Galerie des W1 – Zentrum für junge Kultur im Loop zu sehen sein wird, experimentiert mit verschiedenen akustischen Untermalungen eines Kurzfilms.

Die Architektur und der Film sind sich gar nicht unähnlich. Im Architekturfenster kommen diese beiden Künste zusammen. Foto: Internationale Kurzfilmwoche Regensburg

Architekturfenster
Spannend bei der Zusammenstellung der verschiedenen Programme ist auch immer wieder, darüber nachzudenken, in welcher Beziehung der Film als eigene Kunstform zu anderen Künsten steht. Die Kunst der Architektur besteht darin, einen ästhetischen und lebendigen Raum zu schaffen, der von den Menschen genutzt wird. Auch Film ist eine Raumkunst, die darin besteht, über die Kombination und Anordnung verschiedener Mittel aus einer zweidimensionalen Fläche die Illusion zu erzeugen, wie durch ein Fenster ein Stück (sur)reale Welt beobachten zu können. Im Architekturfenster finden diese zwei Raumkünste zusammen.

Online-Talks
Online-Talks haben den klaren Vorteil, dass auch Expert:innen dabei sein können, denen der Weg nach Regensburg nicht möglich gewesen wäre. Die Online-Talks sind offen für alle und finden an den Werktagen jeweils um 14 Uhr, teilweise auch um 16 Uhr statt.

Gabriel Fieger (Projektleitung Orga): Einsamkeit und Tanz

Seit 2019 zeichnet Gabi Fieger für die organisatorische Projektleitung verantwortlich. Foto: Gabriel Fieger

A Single Life  
Die Themen Einsamkeit, Würde und Alter begleiten mich seit geraumer Zeit. Ein spannendes und viel zu leises Thema, wie ich finde. Unter dem Titel A Single Life werden auch bei der kommenden Kurzfilmwoche verdichtet, aufrüttelnd und bewegende Geschichten gezeigt, bei denen man in eine Welt eintauchen kann, in der man es ohne Zuversicht und Liebe nicht weit schafft.

Urban Bodies – Human Spaces / Tanzfilme
Auf diesen intermedialen Themenabend, mit einem Projekt aus Kurzfilm und Performance sowie das Kurzfilmprogramm im Anschluss freue mich mich auch schon sehr. Das Projekt Urban Bodies – Human Spaces wird der Frage nachgehen, wie sich die wechselseitige Beziehungen zwischen menschlichem Körper und urbanem Raum auseinandersetzen. Simone Elliott wird dabei live zu einer Auswahl an Architektur-Filmen performen. Danach kann man choreographisch weiter an der Stange bleiben und sich noch das wunderbares Tanzfilm-Programm anschauen.

Holt euch die kostenlose App – und kommt organisiert sowie informiert durch die Kurzfilmwoche. Foto: Internationale Kurzfilmwoche Regensburg

KuFi-App
Klappe die Dritte: Seit drei Jahren wird sie sehnlichst erwartet und angepriesen, wird seitdem stetig weiterentwickelt, doch zu Gesicht bekommen haben sie die wenigstens. Doch dieses Jahr ist unsere App im neuen Design und mit so vielen zusätzlichen Features schon verfügbar und bietet eine perfekte Übersicht, was bei der kommenden Ausgabe auf dem Programms steht. Der kostenlose Download (Android & iOS) lohnt sich.

CMV Johann Wellner
Bis Redaktionsschluss für unser Festival-Heftchen war aufgrund der aktuellen Lage und der mit einhergehenden Planungsunsicherheit nicht absehbar, ob man guten Gewissens denn überhaupt ins Kino gehen könne und wenn ja, in welchem Umfang unser sonst so umfangreiches Sonderprogramm möglich sei. Daher freut es mich persönlich umso mehr, dass wir kurzer Hand doch noch einen Beitrag in der Rubrik CINEMA MI VIDA aus dem Boden stampfen und den regionalen Künstler Johann Wellner für eine Werkschau (+Filmgespräch) gewinnen konnten.

Das Gefühl
Das Gefühl und die Wahrnehmung, dass die Kurzfilmwoche schon bald wieder vor der Tür steht, erwärmt mich und mobilisiert so viele Kräfte in mir. Neben den personellen Transformationen und der hybriden Doppelausgabe wird die Kurzfilmwoche sicherlich kein leichtes Unterfangen, aber wenn man für eine Sache brennt, dann brennt man halt für eine Sache!

Doro Just weiß, dass die eigene Couch im Wohnzimmer noch so gemütlich sein kann, das Kino-Feeling wird sie nicht ersetzen können. Foto: Internationale Kurzfilmwoche Regensburg

Dorothe Just

Internationaler Wettbewerb
Mein persönliches Highlight war es, dass ich im Auswahlkomitee des Internationalen Wettbewerbs dabei sein durfte. Bei der Sichtung der spannenden Einreichungen aus aller Welt wurde schnell deutlich, dass die Einschränkungen der vergangenen Jahre der Kreativität keinen Riegel vorgeschoben haben. Und so konnte ich wenigstens von meiner Couch aus in andere Länder und Kulturen reisen.

Regensburger Gesichter
Im Kontrast zu den internationalen Einreichungen war es auch total schön zu sehen, das sich auffallend viele regionale Produktionen mit dem Leben und Schaffen von Regensburger Originalen befasst haben. Das daraus entstandene Programm Regensburger Gesichter ist ein Highlight.

Schulprogramm
Kurzfilm und Schule bilden in meinen Augen eine perfekte Symbiose. Ob themenbezogen oder fremdsprachlich, der Kurzfilm bietet so viele Möglichkeiten in den Lehrplan eingebaut zu werden. Im Best Of Schulprogramm wird deutlich, dass es sich lohnen kann, das Klassenzimmer in den Kinosaal zu verlegen.

Das Kino-Feeling
Ganz besonders freue ich mich darauf, hoffentlich wieder viele Menschen im Kino zu sehen. Auch wenn es auf der eigenen Couch gemütlich sein kann, ein durchgesessener, rot-samtiger Kinosessel, der ganz besondere Kino-Geruch von Softdrinks, Bier und Gummibärchen und das geteilte Erlebnis mit Freunden und Fremden, kann da einfach nicht mithalten.

Das Plakatmotiv
Ich liebe das diesjährige Plakat- und Heftcover-Motiv. Die Fingergeste, die eine Antwort auf die Frage gibt, wie lang ein Kurzfilm denn eigentlich dauert? Richtig: von kurz bis länger. Unser Grafiker hat sich da meiner Meinung nach ein grandioses Konzept überlegt.

Cindy ist eine gebürtige Oberpfälzerin mit Sinn für schöne Worte und Rollenspiele. Nach mehreren Jahren in Berlin ist sie in ihre Heimatstadt Amberg zurückgekehrt – und frönt dort ihrer Leidenschaft fürs Schreiben und Filmen. Beides gehört glücklicherweise auch beim Oberpfalz Marketing zu ihren Hauptaufgaben. Das nennt man dann wohl eine Win-Win-Situation.