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Bye, bye Insa! Darling, Dankeschön für all die Filme

Blick auf den MariahilfbergAuf bald in einem Oberpfälzer Kino: Insa Wiese verlässt die Internationale Kurzfilmwoche nach über zwölf Jahren. Foto: Sabine Franzl

Der letzte Take, der Vorhang fällt, aus die Maus: Insa Wiese verlässt die Kurzfilmwoche Regensburg. Mit ihren Ideen prägte sie über zwölf Jahre die regionale Filmszene wie keine andere. Wir sagen „Darling, Dankeschön“, wagen gemeinsam einen Blick in ihre Zukunft, die des Oberpfälzer Films und des Festivals.

Anm. d. Red.: Zu diesem Text empfehlen wir den Song Danke Schoen von Wayne Newton abzuspielen.

„Dankeschön. Darling, Dankeschön. Thank you for all the joy and pain (Anm. d. Red.: kein Schmerz, davon distanzieren wir uns). Picture shows, second balcony, was the place we’d meet…“ Als ob Wayne Newton dich gekannt hätte, denn genau da, liebste Insa, bei den Vorführungen und in den Kinosälen traf man Dich. Funkensprühende Gespräche haltend, philosphierend, diskutierend und plaudernd mit Cineasten aus der ganzen Welt, die extra wegen der Internationalen Kurzfilmwoche in die Oberpfalz gereist waren.

Eine Ostfriesin, die nach Regensburg zieht und Kinofans aus aller Welt in das ostbayerische Hinterland lockt – bei jedem Drehbuchpitch wäre diese Idee als unglaubwürdig abgestempelt und abgelehnt worden. Aber das Leben weiß es besser: Du Nordstroboskop hast dich Herz über Kopf in die Oberpfalz und ihre Menschen, das Kino sowie den Kurzfilm verliebt und diese nachhaltig geprägt. Deinem Team sowie deinem Gespür für aktuelle Themen wie Feminismus und Diversität, deiner Filmauswahl und deinem Netzwerkgeschick hat die Kurzfilmwoche und somit auch die Region internationales Ansehen in der Filmindustrie zu verdanken. Und wurde so neben der Berlinale zu einem festen Termin in Kalendern von regionalen wie überregionalen Filmschaffenden und Medienkünstler:innen.

Da sollte man schon mal Danke sagen. Vor allem jetzt, wo Du gehst… „Dankeschön, Darling, Dankeschön.“ Und jetzt? Wie geht es weiter? Wir hatten keine Lust auf Cliffhanger oder offenes Ende. Wir wollen wissen, wie es mit Dir und der Kurzfilmwoche weitergeht, und ein letztes Mal über die Filmregion Oberpfalz diskutieren.

Immersive Insa: Die Zukunft ist überall – mit oder ohne VR-Brille. Foto: Insa Wiese

Wieso verlässt Du die Kurzfilmwoche? 
Insa Wiese: Nach über zwölf Jahren wird es Zeit für etwas Neues – und außerdem wollen die Leute auch nicht immer das gleiche Gesicht sehen.

Und jetzt Butter bei die Fische: Warum wirklich?     
Tatsächlich ist es so, dass ich mit meinen zwei kleinen Kindern in München wohne – und das ist bekanntlich teuer. Bekannt ist auch, dass das Arbeiten bei der Kurzfilmwoche zwar viel Spaß macht, aber wahnsinnig viel Arbeit ist und nicht die Miete finanziert. Schon gar nicht die in München. Aber es ist auch so, dass ich neue Herausforderungen liebe und gerne wachse. Und das ist nun die Gelegenheit.

Was machst Du jetzt? Wo sind diese neuen Herausforderungen?   
Ich werde bei Start Into Media, eine neue Initiative unter dem Dach der Medien.Bayern GmbH für Aus- und Weiterblidung,  das Projekt- und Partnermanagement übernehmen. Da sehe ich viele Parallelen zu meiner bisherigen Tätigkeiten: Netzwerken, Projekte konzipieren und realisieren.

Wie geht es mit der Kurzfilmwoche weiter?
Der Festivaldirektor Gabriel Fieger bleibt ja. Er wird das das Projekt wie bisher auch mit großer Leidenschaft weiterleiten. Vielleicht wird sich etwas an der Teamstruktur ändern, vielleicht auch am Programm. Aber das wird sich sicherlich erst nach dem Festival im Laufe des Aprils entwickeln. Jetzt gilt es erst einmal gemeinsam die 28. Kurzfilmwoche erfolgreich über die Bühne zu bringen.

Wie schätzt Du die hiesige Filmszene ein?
Es gibt hier viele interessierte Menschen, die sich filmisch gerne ausprobieren möchten. Das geht vom Genrefilm bis hin zu experimentellen Formaten. Selbst die Schulen sind da ganz aktiv. Das finde ich toll, gerade im Hinblick auf den Nachwuchs. Aber es wird auch hier und da deutlich, dass es mehr Ausbildungs- bzw. Weiterbildungsoptionen in diese Richtung in der Oberpfalz braucht.

Netzwerkerin Insa Wiese in ihrem Element mit der Regensburger SPD-Landtagsabgeordneten Margit Wild und dem Regensburger Kulturreferenten Wolfgang Dersch. Foto: Sabine Franzl

Was wirst Du am meisten an Regensburg vermissen?
Die tollen Menschen. Ich hätte nie gedacht, hier so viele kreative und inspirierende Menschen zu treffen. Und die sinnbildlichen kurzen Wege: Egal, ob bei der Stadt Regensburg oder hier ansässigen Institutionen, ich hatte immer das Gefühl, dass man sich für meine Inhalte, Probleme und Ideen interessiert und um Kooperation und Ideenrealisierung bemüht war. Ich bin dankbar für das tolle Kulturreferat und Kulturamt in Regensburg. So viel Offenheit für ein Projekt wie die Kurzfilmwoche hätten wir andernorts sicherlich nicht erhalten. Das werde ich hier in München in der Form mit Sicherheit nicht erleben.

Letzte Tipps an Dein Team ?  
Weiterhin mit Liebe und Leidenschaft das Projekt Kurzfilmwoche pflegen. Ich weiß, dass das mit den aktuellen Kapazitäten kaum möglich ist, aber Workshops für regionale Filmemacher:innen wären einfach toll. Der Nachwuchs braucht mehr Möglichkeiten, um sich weiterzubilden.

Insa stellt sich gerne neuen Herausforderungen, denn daran wachse sie. Foto: Privat

Liebste Insa, die Oberpfalz sagt von Herzen: „Dankeschön. Oh Darling, Dankeschön. (…) Though we go on our separate ways, still the memory stays for always. My heart says Dankeschön. Dankeschön, Aufwiedersehen…“ in der Oberpfalz.

28. Internationale Kurzfilmwoche Regensburg

Bei der 28. Internationalen Kurzfilmwoche von 18. bis 27. März 2022 – online bis zum 3. April – dreht sich alles um das Thema Transformation. Hier liest Du, welche Highlights die Veranstalter:innen definitiv nicht verpassen werden: Dass sind die Highlights der Kurzfilmwoche 2022.

Cindy ist eine gebürtige Oberpfälzerin mit Sinn für schöne Worte und Rollenspiele. Nach mehreren Jahren in Berlin ist sie in ihre Heimatstadt Amberg zurückgekehrt – und frönt dort ihrer Leidenschaft fürs Schreiben und Filmen. Beides gehört glücklicherweise auch beim Oberpfalz Marketing zu ihren Hauptaufgaben. Das nennt man dann wohl eine Win-Win-Situation.