Fabian Lutz infiziert die Oberpfalz mit dem Zombie-Virus

Das Virus ist extrem ansteckend. Wer sich infiziert, wird zum lebenden Toten. So zumindest in der Romanreihe „Zombifiziert“ des Oberpfälzers Fabian Lutz. In der Realität fürchtete der Autor „irgendwann wie ein Untoter durch Berlin zu rennen“. Sein Gegenmittel: Nach zehn Jahren Hauptstadt-Jetset zieht er zurück ins Regensburger Land.

Ein Virus aus der Oberpfalz bringt die Zombie-Apokalypse über die Welt. Millionen von Menschen infizieren sich, irren als hirntote Wiedergänger stöhnend durch die Lande und fressen jedes Lebewesen, das ihnen zwischen die Zähne kommt. Fabian Lutz hält es ganz klassich und Genre-typisch in seiner Buchreihe "Zombifiziert". Serien wie "The Walking Dead" haben den Autor zu diesem 13-teiligen Werk der Popkultur inspiriert.

Das mag nach bloßem Entertainment für Horror-Fans klingen, doch für Fabian steckt viel mehr dahinter. Denn die Untoten hatten indirekt damit zu tun, dass er zurück in seine alte Heimat zog. „Im Zombie-Genre geht es am Ende immer um die existentielle Frage: Wer sind wir und wenn ja in Bezug wozu?“, meint Fabian Lutz. „Das bedeutet Entfremdung und Wurzellosigkeit – und da sind wir ganz schnell bei Heimatlosigkeit.“

Und heimatlos hat sich der Autor - und heute Social-Media-Manager bei der Sparkasse Regensburg - lange Zeit fern ab der Oberpfalz gefühlt. „Im Nachhinein wahrscheinlich die kompletten 15 Jahre, die ich nicht hier gewohnt habe“, sagt er. Seit nunmehr sieben Jahren lebt der 50-Jährige wieder in der alten Heimat, mitten auf dem Land bei Regensburg im Mehrgenerationenhaus mit Ehefrau, Eltern und etlichen Hühnern.

Während des Lockdowns sprachen wir mit Fabian über das Zombie-Virus, Lost Places, Entschleunigung, wann der Garten besser als ein Rave ist und wieso er jedem empfiehlt, seiner alten Heimatstadt wieder eine Chance zu geben.

"Die Oberpfalz ist eine perfekte Gegend, um Künstler zu sein"

Oberpfalz Marketing: Du hast den Jetset gelebt und warst dabei, ein Berliner Underground-Literat zu werden. Warum bist Du zurück in die Oberpfalz gezogen?

Der Witz ist, dass ich im Grunde nie aus der Oberpfalz weg wollte. Nach dem Studium in Regensburg wollte ich bleiben und ein Volontariat machen. Das hat leider nicht geklappt. Also musste ich, sofern ich Karriere machen wollte, erstmal weg aus der Heimat. Der Wunsch zu bleiben war aber immer da.

Hast Du diesen Wunsch wirklich 15 Jahre lang verdrängt?

Ich habe mir einfach nicht so viele Gedanken darüber gemacht. Wenn man jung ist, lebt man schnell, sucht das Abenteuer, hat Träume und Ideen. Da denkt man nicht viel nach. Aber in meinem Herzen war die Oberpfalz immer. Ich habe es auch nie geschafft, mir eine andere geographische Heimat zu schaffen.

Wann wurde Dir das bewusst?

Vorneweg, ich habe Berlin geliebt. Aber insgeheim habe ich wahrscheinlich immer auf den richtigen Moment gewartet, zurückzukehren. Der kam dann auch durch eine private Trennung, die mir sehr zu schaffen gemacht hat. Durch sie fing ich an, über mein Leben nachzudenken, Dinge infrage zustellen und letztlich auch Entscheidungen zu treffen. Also habe ich den Arbeitsmarkt in Regensburg beobachtet und im richtigen Moment zugeschlagen.

Zurück in Regensburg häufen sich Deine literarischen Veröffentlichungen. Liegt’s am Ort?

Ich fühle mich einfach wohl in der Oberpfalz, weil ich hier zuhause bin. Ich bin jemand, der produktiver ist, wenn er sein festes Setting hat. Um kreativ zu sein, brauche ich auch immer Konstanz – und die habe ich hier auf alle Fälle mit meinem Arbeitgeber und meiner Familie gefunden. Die Oberpfalz ist eine schöne Gegend, um Künstler zu sein.

Warum kommt das Virus in Deiner Buchreihe "Zombifiziert" aus der Oberpfalz?

Man soll ja immer über das schreiben, was man am Besten kennt. Die Region war der Playground meiner Jugendzeit, da kannte ich mich aus und sie bot mir alle wichtigen Motive. Als ich ein Kind war, war die Oberpfalz sehr viel kaputter und morbider als sie es heute ist. Aber genau das hat mich fasziniert. Alte verlassene Höfe bei uns auf dem Land und die verfallenen Häuser und Gässchen in der Stadt mit all diesen kauzigen Typen darin, die für den kleinen Fabian unheimlich spannend und aufregend waren. Seitdem bin ich immer auf der Suche nach solchen Orten.

Wie inspirieren Dich diese Lost Places?


Ich liebe es, diese Orte zu entdecken und darin zu stöbern. Ich stelle mir dann vor, was dort wohl passiert sein mag, welche Menschen dort gelebt haben könnten. Ich überlege, was dazu geführt haben könnte, dass diese einst belebten Orte nun verlassen sind. Obgleich sie auf eine geheimnisvolle Art und Weise immer noch diese Energie, diese Lebensenergie, die Menschen dort hineingesteckt haben, ausstrahlen.

So wie Du es beschreibst sind auch diese Orte auf eine Art untot…


So empfinde ich es persönlich als Künstler, und diese Energie versuche ich einzuatmen, aufzunehmen und dann auch wieder zum Leben zu erwecken, zumindest in den Zeilen, die ich schreibe. Das macht mir einfach Freude und befriedigt mich ungemein.

Begonnen hast Du mit "Zombifiziert" allerdings als Du noch in Berlin gelebt hast. Deine Inspiration, die Oberpfälzer Lost Places, waren knapp 500 Kilometer entfernt...

In der Ferne war es eine wunderschöne Zeitreise für mich und vielleicht auch schon die Vorbereitung zur Rückkehr. Ich bin ja fest davon überzeugt, dass ich mich zurückgeschrieben habe. Und außerdem, soll ich Euch was verraten? Ich hatte Angst, selbst zum Zombie zu werden. Zombies sind ja entfremdet, fremd im eigenen Körper. Und ich glaube schon, dass ein Mensch so etwas wie Heimat braucht, um nicht wie ein „Zombie“ durch die Welt zu rennen. Da geht es ganz banal um Wurzeln.

Und diese Wurzeln hast Du jetzt wieder gefunden?

In jeder Hinsicht – im übertragenen Sinne zurück bei den Eltern, als auch ganz wörtlich: Ich habe nämlich den Gartenspaten rausgeholt und das ganze Thema Pflanzen, Garten und Selbstversorgung angeworfen. Zurück auf dem Land hatte ich plötzlich dieses riesige Spielfeld, die Natur. Also habe ich mir gedacht, wenn ich jetzt hier wohne und nicht mehr jeden Abend feiern gehe, dann möchte ich das alles mit Leben füllen. Genau diese Entschleunigung habe ich gesucht. Ich habe mich auf das Abenteuer eingelassen und auch versucht, mich mit dem Rückkehren intellektuell auseinanderzusetzen. Denn das verstehe ich als Prozess. Man kehrt ja noch eine ganze Weile zurück und ist nicht mit einem Fingerschnipp sofort wieder in der Heimat angekommen. Das macht es ja so aufregend.

Und, bist Du nach sieben Jahren angekommen?

Der Wechsel war ambivalent und spannend. Ich habe fremde Menschen kennengelernt und alte Bekannte neu. Binnen kürzester Zeit war mir klar, dass sich die Oberpfalz weiterentwickelt hat. Ich spürte Metropol-Charakter. Jetzt bin ich im siebten Jahr wieder zu Hause und ich kann’s nur jedem empfehlen: Gebt der alten Heimatstadt wieder eine Chance, denn die ist sicher nicht mehr das, was sie war, als ihr sie verlassen habt.

Zum Glück (zurück)

Autor Fabian Lutz ist Teil des Projekts "Zum Glück (zurück)". In dieser 18-teiligen Serie stellen wir Oberpfälzer vor, die ganz bewusst nach einem Blick über den Tellerrand und einer Zeit außerhalb der Region zurückgekehrt sind.

Gefördert durch Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie

Zum Glück (zurück): Protagonisten gesucht

Autor/in
Autor/in Cindy Michel
Cindy ist eine gebürtige Oberpfälzerin mit Sinn für schöne Worte und Rollenspiele. Nach mehreren Jahren in Berlin ist sie in ihre Heimatstadt Amberg zurückgekehrt - und frönt dort ihrer Leidenschaft fürs Schreiben und Filmen.

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