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Schreibmaschine der Revolution steht jetzt in Regensburg

SCHREIBMASCHINE KURT EISNER-02_kleinDie Schreibmaschine der Revolution 1918/19: Kurt Eisners Urenkel schenken dem Haus der Bayerischen Geschichte die Schreibmaschine des Revolutionsführers und ersten Bayerischen Ministerpräsidenten. Foto: Uwe Moosburger

Ein sensationeller Neuzugang für das Haus der Bayerischen Geschichte: Die Schreibmaschine von Kurt Eisner (1867–1919), Revolutionsführer von 1918/19 und erster Ministerpräsident des Freistaats Bayern, wird künftig im Museum in Regensburg zu sehen sein. Eisners Urenkel haben das Erbstück der Sammlung geschenkt.

Die Mercedes-Schreibmaschine, die Eisner Mitte 1914 erwarb, war mehr als nur ein Arbeitsgerät. Sie diente dem Journalisten, Schriftsteller und späteren Revolutionär als zentrales Kommunikationsmittel. Auf ihr entstanden unzählige Artikel, Theaterkritiken und politische Korrespondenzen. Zahlreiche Texte, die während des Ersten Weltkriegs und der Revolution 1918/19 auf ihr getippt wurden, waren maßgeblich für die Verbreitung von Eisners Ideen über soziale Gerechtigkeit, Frieden und Demokratie. Bestätigt wurde dies durch Schriftgutachten, die das Haus der Bayerischen Geschichte veranlasst hatte. Nicht auszuschließen ist, dass auf dieser Maschine auch die ersten Entwürfe für die Verkündung des Freistaats Bayern getippt worden sind. Dabei diktierte Eisner viele Texte an seine Frau Else oder fertigte ihr handschriftliche Vorlagen an. 

Nach 100 Jahren zurück in Bayern

Nach Eisners Ermordung 1919 blieb die Schreibmaschine bei seiner Witwe. Sie begleitete Else Eisner auf ihrer Flucht aus Bayern nach der Niederschlagung der Räterepublik, führte sie über Südbaden und die Schweiz bis nach Frankreich. Erst 1959 gelangte das Gerät wieder in den Besitz der Töchter Eisners in Gengenbach und Ostberlin, wo es über drei Generationen hinweg aufbewahrt wurde – lange unbemerkt von der Öffentlichkeit. Jetzt übergaben Kurt Eisners Urenkel Susanne Rother und Christian Strahl die Schreibmaschine offiziell dem Haus der Bayerischen Geschichte.

Eine sensationelle Schenkung: Sammlungsbeauftragter Dr. Timo Nüßlein und Direktor Dr. Richard Loibl vom Haus der Bayerischen Geschichte nehmen die Schreibmaschine von Kurt Eisners Urenkeln Susanne Rother und Christian Strahl in Empfang (v.l.). Haus der Bayerischen Geschichte | Foto: Judith Schenk

Als Jahrundertobjekt der bayerischen Demokratiegeschichte wird die Schreibmaschine ab dem 8. Juli 2026 in der Bayernausstellung „Brennpunkt Bayern. Hitler und der Kampf um die Demokratie“ in Regensburg zu sehen sein.

Kurt Eisner

In Berlin geboren, war der Journalist, Schriftsteller und Politiker Kurt Eisner (1867-1919) seit 1970 Chefredakteur bei der Fränkischen Tagespost in Nürnberg, wo er seine spätere Frau Else, geb. Belli (1887–1940), kennenlernte. 1910 zog er nach München und wurde zu einem der wichtigsten Mitarbeiter der sozialdemokratischen Zeitung Münchener Post. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs und seiner Ausbootung bei der Münchener Post entwickelte sich Eisner zunehmend zum Systemkritiker und Pazifisten, am Ende sogar zum Revolutionär. Kurt Eisners Erbe wirkt bis heute fort, da er in Bayern etwa das Wahlrecht für Frauen oder den 8-Stunden-Tag umgesetzt hat.

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Anja managt Förderprojekte, schreibt unseren Newsletter, recherchiert, koordiniert Abläufe und behält auch bei komplexen Themen den Überblick. Als Dreifach-Mama weiß sie genau, wie man Kinder und Jugendliche erreicht – und hat beim Oberpfalz Marketing besonders die junge Zielgruppe im Blick. Singen kann sie übrigens auch noch – am liebsten im Regensburger Schottenchor.