
Das quicklebendige Altertum
Insider-Leitfaden für erlebnishungrige Regensburger Studenten – Altstadttouring bis Zap-Zappeln
Als Regensburger hat man einen gewaltigen Nachteil: Man gewöhnt sich daran, in einer Weltkulturerbe-Stadt zu leben – und sieht nicht mehr so genau hin. Umgekehrt neigt der Gast dazu, auf ausgelatschten Wegen durch die Fußgängerzone zu laufen – vom Bismarckplatz zum Neupfarrplatz, vom Rathaus zum Haidplatz.
Am besten hat es deshalb der Regensburger mit Wohnsitz in der nördlichen Oberpfalz: Er kennt seine Pappenheimer, bemerkt Veränderungen – war da vor zehn Jahren nicht noch der Fernando? – und freut sich bei jedem Besuch, dass sich nichts wirklich Wesentliches verändert hat. Im Grunde seit dem Mittelalter nicht mehr, als den recht hochmütigen Patriziern – sie trugen die Nasen noch höher als ihre Geschlechtertürme – langsam das Geld ausging und der Handelsboom-Town andere Städte wie Nürnberg den Rang abliefen.
Des einen Leid, des anderen Freud: Wäre dem nicht so, hätte die Modernisierung der Altstadt vom Mittelater bis zur Gegenwart stattgefunden und die Stadt hätte womöglich einen barocken Dom mit Kuppel statt der Dauerbaustelle mit den neogotischen Hüten.
Was muss man als künftiger Student mit Wohnsitz in Regensburg über seine Wahlheimat wissen? Hier unser ultimativer Insider-Leitfaden:
Altstadt
Klar, deswegen sind wir ja hier gelandet und nicht im Ruhrpott – nicht von ungefähr wurde das Altstadt-Ensemble als herausragendes Beispiel eines mittelalterlichen Handelszentrums mit dem Weltkulturerbe-Titel ausgezeichnet. Gönnt euch eine klassische Stadtführung oder den historischen Mummenschanz mit der Stadtmaus (www.stadt-maus.de), um eine Vorstellung davon zu bekommen, was Regensburg in seinem Innersten zusammenhält.
2000 Jahre bauliche Kontinuität mit römischen, romanischen, gotischen, Renaissance-, barocken und klassizistischen Elementen – Patrizierhäuser und Geschlechtertürme, Kirchen und Klöster, die Steinerne Brücke und das Schloss. Mittendrin das Alte Rathaus als ehemaliges Zentrum des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, das sogar Einfluss auf die deutsche Sprache hatte: "Auf die lange Bank schob" man damals Bittsteller und am "Grünen Tisch" entschieden die Mächtigen von einst – wie auch noch heute –, was uns das Leben schwer macht.
Bürgerfest & andere Dauerbrenner
Professionelle Event-Hopper sind ganzjährig ausgelastet. Vom internationalen Bambini-Eishockeyturnier im Januar bis zu den Weihnachtsmärkten im Dezember, von der Kurzfilmwoche im März bis zu den Tanztagen im November, vom Internationalen Kleinkunstfestival im April bis zur Herbstdult im September, vom Jazz-Weekend im Juni bis zum Villapark-Festival im Juli – langweilen kannst du dich zu Hause!
Kunst & Kultur
"Die Stadt der Kaiser und Könige" beherbergt nicht nur zwei Jahrtausende Stadtgeschichte in öffentlichen und privaten Sammlungen, sondern auch die Avantgarde – wie aktuell etwa Werke des deutschen Malerfürsten Markus Lüpertz in der Ostdeutschen Galerie (Dr.- Johann-Maier-Straße 5) oder die Gemälde von Hélène de Beauvoir, Schwester der Emanzipationsikone Simone, in der Galerie Hammer (Untere Bachgasse 6). Das Drei-Sparten-Stadttheater am Bismarckplatz (www.theaterregensburg.de) inszeniert auf hohem Niveau Klassik und Moderne, während ein paar Häuser weiter das Statttheater (www.regensburg.de) – mit drei t – Politik und Gesellschaft mit kabarettistischen Glanzleistungen Zunder gibt.
Nachtschwärmer
Habt ihr Regensburg schon bei Nacht gesehen? Die Stadt mit der zweithöchsten Kneipendichte Deutschlands kann sich mit Großstädten messen. Der Abend könnte leger im frankophilen Bistro-Restaurant Orphée (Untere Bachgasse 8) beginnen, in einer der 1001 Studentenkneipen wie dem Ambrosius (Brückstraße 5) seinen Lauf nehmen, muss in der Disco Zap (Augustinergasse 3) noch lange nicht enden, wohl aber nach dem Absacker in der Max-Bar (Maximilianstraße 28)!
Shoppen
solange das BAföG reicht: Bei allem Respekt vorm alten Gemäuer – Regensburg ist kein Freiluftmuseum. Die Stadt strotzt vor händlerischer Potenz – Antiquitäten, Boutiquen, Cafés, Galerien und originelle Kruschläden dominieren die Innenstadt, mondäne Malls wie die Arcaden (Friedenstraße 23) oder das Donaueinkaufszentrum (Weichser Weg 5) locken an die Peripherie.
Sport in allen Farben
Ob am grünen Rasen, auf Eis oder Asphalt, ob aktiv oder passiv, Regensburg ist eine sportliche Stadt. Traditionsverein Jahn Regensburg garantiert Drittliga-Fußball, der EVR immerhin Oberliga-Eishockey und die Legionäre sogar Bundesliga-Baseball. Unermüdliche quälen sich durch den Stadtmarathon oder gar Triathlon, feine Maxe pflegen ihr Handicap auf der Neun-Loch-Anlage auf Gut Minoritenhof und Radler sind auch in der Altstadt kaum zu bremsen.
Weitere Informationen unter www.regensburg.de
Quelle und Foto: Beilage des Medienhauses "Der neue Tag"
