
"Nur Mut" – Rat vom Uni-Veteranen
Die gute Nachricht zuerst: Wenn ich’s geschafft habe, dann schafft ihr’s auch! Was? Den Gang durch die Institutionen zum Traumberuf. Dabei sah’s am Anfang gar nicht so rosig aus: Schon das gestrenge Fräulein Kraus, meine Grundschullehrerin, sprach mir die persönliche Reife fürs Gymnasium ab – wegen meiner damaligen Rauflust. Und, zugegeben, im Gymnasium habe ich’s in der Sturm-und-Drang-Phase wild getrieben – eben mit allem, was so dazugehört, einschließlich Ehrenrunde.
Hand aufs Herz: Meine Studienfächerwahl trieb den Beratern vom Arbeitsamt – wie es damals noch hieß – auch nicht gerade Freudentränen in die Augen: Politikwissenschaft, Germanistik und Kunstgeschichte. Mit anderen Worten: brotlose Kunst und keine aussichtsreiche Verwertungswissenschaft dabei, nach der die Industrie so lechzt. Aber es entsprach eben meinen Neigungen und nach ersten Anlaufschwierigkeiten sprang zum Schluss sogar ein knapp sehr guter Abschluss raus – ein Magister, wie man ihn heute wahrscheinlich nur noch in Österreich kennt. Zu verdanken habe ich den nützlichen Papiertitel meinem geduldigen Doktorvater a.D., einer handvoll exzellenter Dozenten und meiner schon damals evidenten Neigung zum Enthüllungsjournalismus: Wer weiß, wie die Professoren ticken, erspart sich überflüssige Lektüre.
Das Studentenleben war freilich nicht immer so lustig, wie es das geflügelte Wort verheißt: Das nötige Geld zum Leben verdiente ich hinterm Tresen der Studentenkneipe mit dem sinnigen Namen "Jenseits" und später im Restaurant Orphée. Die Ausflüge in die Bekleidungsindustrie und Zuckerfabrik nicht mitgezählt, wo steinhart gewordener Zucker in einem Silo mit Spitzhacke und Schaufel abgetragen werden wollte. Tja, ein paar Semesterchen länger hat das Studium dadurch natürlich schon gedauert, aber von diesen Erfahrungen möchte ich keine Minute vermissen.
Ohne sie hätte ich nie kapiert, welche Privilegien ich gegenüber jenen genieße, die tagein, tagaus einen Knochenjob in der Fabrik oder im Krankenhaus absolvieren und mit dem kargen Lohn gerade mal so über die Runden kommen. Das Durchhalten hat sich gelohnt – ich habe halb Europa durchradelt, nach dem Studium drei Auslandsjahre bei der Prager Zeitung drangehängt und bin zu guter Letzt in der Oberpfälzer Medienlandschaft angekommen – bei einem Arbeitgeber, der mir bei gutem Lohn alle Freiheiten lässt, die wir Kreative halt so brauchen. Chapeau!
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Quelle: Beilage des Medienhauses "Der neue Tag", Foto: Radim Strojek - Fotolia.com
