Trio Elf aus Regensburg - Jazz mal anders

Sie touren durch die Welt, doch zuhause sind Gerwin Eisenhauer, Walter Lang und Peter Cudek in der Oberpfalz. Das Geheimnis ihres Erfolgs: ein außergewöhnlicher Stil.

Drumsticks fliegen in einem atemberaubenden Tempo über die Trommeln, Finger flitzen über die Klaviertasten: Das Trio Elf probt im Theater Regensburg gerade für einen Auftritt. Vom Jazz-Trio selbst sind zwar nur zwei Drittel anwesend – Schlagzeuger Gerwin "Geff" Eisenhauer und Pianist Walter Lang – doch der Sound ist unverkennbar. 

Der Dritte im Bunde, Bassist Peter Cudek, lässt sich gerade in Indien von einem Yoga-Meister unterrichten. Für ihn springt kurzfristig Bassist Uli Zrenner-Wolkenstein ein. "Das ist eigentlich das erste Mal seit 13 Jahren, dass wir nicht in Originalbesetzung spielen", stellt Geff Eisenhauer verdutzt fest. "Der Uli kann sich also richtig glücklich schätzen", sagt Walter Lang und schmunzelt. 

Ein außergewöhnlicher Stil

Gerwin wird von Szenekennern als "menschgewordener Drumcomputer" bezeichnet. Aber er bleibt bescheiden: "Naja, wenn man etwas fünfzehn Jahre lang macht, dann kann man es schon eingermaßen gut." 

Er sei immer ein großer Fan der Musikrichtung Drum and Bass gewesen und habe deshalb sehr viel geübt, um zu klingen, wie eine Maschine. "Im Gegensatz dazu kann ich aber reagieren und interagieren. Das ist das, was einer Maschine fehlt und das, was den Sound von Trio Elf ausmacht", sagt Geff.

Die Jazzmusiker kombinieren mutig Elemente aus modernen Stilrichtungen wie Hip Hop, Two Step und eben Drum and Bass. Auch Songs bekannter Rockmusiker, zum Beispiel "Down" von Blink 182, adaptieren sie. Damit schaffen sie etwas völlig Neues in der Jazzwelt.

Für ihren außergewöhnlichen Stil werden die Drei gefeiert und mit Preisen überhäuft, zuletzt mit dem renommierten Bremer Jazzpreis. "Der Preis wurde durch das Publikum und die Jury vergeben. Das hat uns schon sehr gefreut, dass selbst die Leute im hohen Norden auf unsere Musik stehen", sagt Walter und grinst. Seine Inspiration bezeichnet er als "Summe von all den Sachen, die ich jemals in meinem Leben gehört hab. Da ist von Volksmusik bis Latin alles dabei".

Fernost- und YouTube-Ruhm

Eher zufällig sei ein Video von Geff im Internet ein Hit geworden, sagt er etwas ungläubig: "Für mich war das jetzt nichts Besonderes. Ich wollte eigentlich nur ein kleines Video für meine Website machen und auf einmal ging das Ding durch die Decke und wurde auf der ganzen Welt bekannt." 

Mit Ruhm kennt sich auch Walter Lang aus: In Japan ist er ein gefeierter Star. Schon seit 1991 fährt der Pianist regelmäßig nach Fernost, inzwischen hat er dort zehn CDs herausgebracht und rund zwanzig Touren gespielt.

"In Regensburg passiert viel Jazz"

Auch in Regensburg ist das Trio natürlich bekannt. Jeder Ort habe seinen bestimmten Klang: "Wenn man in der Heimat spielt, ist das immer etwas Besonderes. Ich bin da immer sehr konzentriert. Viel konzentrierter als wenn ich in Brasilien oder so spiele", erzählt Gerwin. Das seien schließlich die selben Leute, die man auch am nächsten Tag beim Bäcker wiedertrifft. Da möchte man selbstverständlich besonders gut spielen. 

Für die Größe der Stadt sei die Jazzszene in Regensburg beachtlich, stellen die beiden fest. Vor allem sei die Domstadt eine Hochburg der Jazzgitarristen. "Es gibt hier innerhalb der Szene nochmal viele kleinere Szenen, die großartige Sachen machen", sagt der Schlagzeugprofi, der ein gebürtiger Weidener ist. Als Adressen für Jazzliebhaber nennen die Musiker den Jazzclub Regensburg, den Lokschuppen in der Music Academy und natürlich das Jazzweekend und das Landesjazzfestival. Ein vielseitiges Angebot, über das sich Walter Lang freut: "Hier in Regensburg passiert wirklich sehr, sehr viel Jazz und das wissen wir zu schätzen." Das Trio trägt seinen Teil dazu bei. Der Erfolg gibt ihnen Recht. Genau wie der begeisterte Applaus an diesem Vormittag im Theater.

Autor/in
Katharina Ziegler Fotos, Video: Christoph Aschenbrenner // Video, Schnitt: Katharina Ziegler