Momente für die Ewigkeit

Es sind nicht die touristischen Höhepunkte, die in dem Bildband über die Oberpfalz zu sehen sind. Sie sind veraltet, verfallen, verloren. Die Ambergerin Nina Schütz hat sie gefunden und für die Ewigkeit festgehalten.

Nina Schütz hat eine Leidenschaft für Altes entwickelt. Die Fotografin macht sich seit Jahren auf die Suche nach Orten, die dem Verfall preisgegeben sind. Tausende Bilder sind in dieser Zeit entstanden. Eine Auswahl davon präsentiert sie in ihrem ersten Bildband "Verlassene Orte in der Oberpfalz - Die Faszination des Verfalls". Im Interview mit unserem Medienpartner Oberpfalz-Medien spricht sie über ihr Erstlingswerk.

160 Seiten - im ersten Augenblick klingt das nach unglaublich viel. Wie schwer war es eigentlich auszusuchen und wegzulassen?

Nina Schütz: Sehr sehr schwer. Denn die Oberpfalz hat so viele tolle und interessante Orte. Ich hätte sie am liebsten alle ins Buch aufgenommen, denn jeder einzelne ist es wert, betrachtet zu werden. Aber der Platz war begrenzt.

Gibt es ein persönliches Highlight in diesem Buch? Etwas, das auf gar keinen Fall fehlen durfte, koste es, was es wolle? 

Das ist schwer zu sagen, da jeder einzelne Orte eine besondere Faszination auf mich ausübt und ich mich gerne an jeden erinnere. Aber ja, es gibt ein Highlight. Es ist die stillgelegte Porzellanfabrik. Sie hat mich komplett in ihren Bann gezogen. Ein riesiges Gelände mit vielen verschiedenen Räumen. Alle fanden wir so vor, wie man sie damals verlassen hatte, überall hatten sich dicke Staubschichten abgesetzt aus den alten Brennöfen wuchsen Bäume und saftig grüner Farn, der Boden war mit Moos bedeckt. Hier konnte sich die Natur ungehindert das zurückholen, was einst ihr gehörte, man sah nirgends Vandalismus, kein Graffiti, keine Zerstörung. Nur der natürliche Verfall, der Einzug gehalten hatte.

 

Fühlst Du Dich eher als Künstlerin oder als Heimatforscherin? 

Um ehrlich zu sein, bin ich beides ein wenig. Die Geschichten hinter den Orten interessieren mich sehr. Wer lebte hier, was wurde hergestellt, wieso hat man die Gebäude verlassen? Es gibt so viele Fragen. Hinter all diesen Orten stecken interessante, erschreckende, manchmal auch tragische Geschichten, die ich den Menschen gerne näher bringen möchte. Um das Erlebnis für den Zuschauer abzurunden, möchte ich die Stimmung, das Gefühl, das ich an den Orten hatte, in meinen Bildern rüberbringen. Es sollen keine dokumentarischen langweiligen Schnappschüsse sein. Die Bilder sollen fesseln und zum Nachdenken anregen.

Wo hat sich Nina Schütz am meisten gegruselt? Und welches Projekt nimmt sie als nächstes in Angriff? Das ausführliche Interview mit der Amberger Fotografin kannst Du auf der Website der Oberpfalz-Medien lesen.

Weitere Infos

Das Buch

Auf 160 Seiten zeigt Nina Schütz Motive aus der Oberpfalz. Sie war dafür in Neumarkt, Regensburg, Cham, Schwandorf, Weiden und Tirschenreuth sowie im Kreis Amberg Sulzbach auf Fototour. "Verlassene Orte in der Oberpfalz" ist im Sutton Verlag erschienen. (30 Euro)

Autor/in
Oberpfalz-Medien