OTTI-Forum "Teller, Tank und mehr" – Fachforum informiert über die Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen
Biomasse und Bioenergie, deren Nutzungsmöglichkeiten, Chancen und Perspektiven – um diese Themen drehte sich das Fachforum "Teller, Tank und mehr". Veranstaltet wurde es vom Ostbayerischen Technologie Transfer Institut e. V. (OTTI) Regensburg zusammen mit dem Regionalmarketing Oberpfalz am 19. Februar 2009 im Großen Sitzungssaal der Regierung der Oberpfalz in Regensburg.
Das OTTI-Forum ist eine inzwischen etablierte Veranstaltungsreihe, in der renommierte Experten über aktuelle, zukunftsgerichtete Themen aus Umwelt, Management und Technik informieren. Mitveranstalter des OTTI-Forums "Teller, Tank und mehr" war das Regionalmarketing Oberpfalz, das sich die erneuerbaren Energien ebenfalls zum Schwerpunktthema gesetzt hat.
"Wir haben mittlerweile sieben Energieforen erfolgreich durchgeführt, und nun das zweite zusammen mit OTTI", begrüßte Dr. Wilhelm Weidinger, 1. Vorsitzender des Regionalmarketings, die rund 150 Gäste. "In der Oberpfalz gibt es viele Firmen, deren Technik im Bereich der Erneuerbaren Energien wegweisend ist. Deshalb wollen wir dieses Thema auch weiterhin voran bringen und die Oberpfalz bundesweit als Energieregion mit Vorzeigecharakter positionieren", so der Vorsit-zende weiter.
Nicht "Entweder-Oder", sondern "Sowohl als Auch"
Am 19. Februar 2009 standen nachwachsende Rohstoffe aus der landwirtschaftlichen Produktion und der verantwortungsbewusste Umgang damit im Zentrum des Interesses. Die sogenannte Teller/Tank-Diskussion warf Fragen auf, ob landwirtschaftliche Produkte, die für die Erzeugung von Biomasse eingesetzt werden, die Getreidepreise steigen lassen und gar zum Hunger in der Welt einen Beitrag leisten. „Die Versorgung mit Lebensmitteln zu sichern ist oberstes Gebot, nachhaltige Chancen bieten aber auch die stofflichen und energetischen Nutzungsmöglichkeiten", erklärte Dr. Thomas Luck, Leiter des OTTI Regensburg, zum Hintergrund der Veranstaltung. "Nicht ‚Entweder - Oder' ist das Motto, sondern ‚Sowohl als Auch'."
"Lebensmittel und Biomasse - Chancen und Perspektiven für die Land- und Forstwirtschaft"
Gerd Sonnleitner, Präsident des Bayerischen und Deutschen Bauernverbandes, sieht die Hauptaufgabe der Landwirtschaft weiterhin in der Erzeugung von qualitativ hochwertigen Lebensmitteln. Doch hält er es auch für falsch, die Bioenergie als Verursacher von Hunger oder steigenden Nahrungsmittelpreisen verantwortlich zu machen: "Der Hunger in der Welt ist viel zu ernst, als dass das Thema auf die nachwachsenden Rohstoffe abgeschoben werden könnte." Vielmehr seien Krieg, Korruption und mangelnde Demokratie dafür verantwortlich. Für Sonnleitner erfüllt der Anbau von nachwachsenden Rohstoffen auch einen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel, der nur durch eine Kombination von Energieeinsparung, Energieoptimierung und der Nutzung von erneuerbaren Energien möglich sei. "Dass darum eine Förderung von nachwachsenden Rohstoffen notwendig ist, steht außer Zweifel. Wer anderes sagt, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt und denkt nur kurzfristig", konstatierte Sonnleitner.
Sonnleitner beklagte weiterhin, dass nachwachsende Rohstoffe diskreditiert würden, viel Fehlinformation weitergegeben und somit die Teller/Tank-Diskussion künstlich hochstilisiert worden sei.
"Bioenergie - Verfahrensübersicht, Status Quo und Zukunftsaussichten"
Über den Status Quo der Bioenergie informierte Dr. Bernhard Widmann, Leiter des Technologie- und Förderzentrums im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe in Straubing: "Fast 75 Prozent der erneuerbaren Energien in Deutschland stammen aus Biomasse, davon je die Hälfte aus dem Wald und vom Acker. Durch Bioenergie wurde im Jahr 2007 in Deutschland der Ausstoß 55 Millionen Tonnen Treibhausgasen vermieden und es hängen über 96.000 Arbeitsplätze an der Bioenergie." Als weitere Vorteile nannte Widmann die geringe Importabhängigkeit und die Wertschöpfung, die in der Region bleibt. Eine Herausforderung würde die Anpassung der Lebensgewohnheiten hinsichtlich Wärme, Strom und Mobilität an die aktuelle Situation darstellen, sowie die Erschließung ungenutzter Potenziale. "Es gibt keine Alternative für Bioenergie!", so das Fazit von Widmanns Vortrag.
"Perspektiven der stofflichen Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen"
Vor allem für das "...und mehr" im Titel der Veranstaltung sah sich Prof. Dr. Klaus Menrad, Professor für Marketing und Management an der Fachhochschule Weihenstephan, Wissenschaftszentrum Straubing, zuständig. Dabei ging es vor allem um die weiteren Verwendungsmöglichkeiten von nachwachsenden Rohstoffen. "Die stoffliche Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen bietet ein sehr breites Spektrum von verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten", erläuterte Prof. Dr. Klaus Menrad. "Ziel muss es sein, Biomasse vollständig zu nutzen", so seine Überzeugung. Er stellte Beispiele stofflicher Nutzung vor, in denen er die Lösung des Teller-Tank-Dilemmas sieht, auch in Kombination mit energetischer Anwendung. Er sieht die Zukunft in Bioraffinerien, in denen analog zu den herkömmlichen Raffinerien Biomasse verarbeitet werden könnte. Vorteile wären etwa die vollständige Nutzung des Rohstoffs, auch von minderwertiger Biomasse wie Gras, und ein Alternativprodukt zu Erdöl. Nachteile seien jedoch hohe Investitionskosten oder Marktunsicherheiten. Sein Fazit: "Ostbayern ist für zukünftige Aufgaben gut positioniert, aber es muss noch viel geforscht und an der Vermarktung gearbeitet werden."
Ostbayerisches Technologie Transfer Institut e. V. (OTTI)
Mit der Kernkompetenz "Wissenstransfer" ist OTTI Partner von Unternehmen und angewandter Wissenschaft in den Fachgebieten Erneuerbare Energien, Technik und Management. OTTI bietet Qualifizierung, praxisorientiertes Wissen und Kontaktmöglichkeiten in Seminaren, Fachforen und Tagungen an und setzt damit Impulse zur nachhaltigen wirtschaftlichen und technischen Entwicklung von Unternehmen, Netzwerken, Regionen und Wissensgebieten. OTTI hat über 30 fest angestellte Mitarbeiter. Im Vorstand und im Beirat sind Führungspersönlichkeiten aus Unternehmen, kommunalen Körperschaften, Finanzwesen, Politik und Wissenschaft vertreten.
Bioenergieregion Oberpfalz
Das Regionalmarketing hat sich für die gesamte Oberpfalz beim Bundeswettbewerb Bioenergie-Regionen beworben und bereits die zweite Runde erreicht. "Wir haben ein Regionalentwicklungskonzept entworfen und eingereicht, in dem wir versucht haben, sämtliche Akteure mit einzubinden", erklärte Nicole Niedermeier, Geschäftsführerin des Regionalmarketing Oberpfalz. "Sollten wir als Bioenergie-Region ausgewählt werden, hätten wir die Schlagkraft, die Oberpfalz nachhaltig als Bioenergieregion zu etablieren. Dazu gehört, die Potenziale im Bereich Bioenergie auszuschöpfen, zukunftsträchtige Technologien und Methoden zu fördern, die Gesellschaft aufzuklären und die Akteure der Oberpfalz zu vernetzen", blickt Niedermeier in die Zukunft. Die Entscheidung steht Ende Februar / Anfang März aus.
Die Beiträge der Referenten können Sie unter www.otti.de/forum im Internet abrufen.

