
Bier und Zoiglbier
Dass die Begriffe "Bayern" und "Bier" einen gewissen Zusammenhang haben ist mehr als ein Klischee. Schließlich stammt das Reinheitsgebot aus dem Jahre 1516 vom Bayerischen Herzog Wilhelm VI. Bei diesem Gebot handelt es sich um das am längsten gültige und angewandte Lebensmittelgesetz der Welt. Der Vorgänger davon stammt bereits aus dem frühen 15. Jahrhundert und entstand – genau, in der Oberpfalz. Mitglieder des Regensburger Stadtrats tranken damals in Gaststätten "böses und arges Bier" und erstellten einen Ehrenkodex, der es Brauern unter Androhung empfindlicher Geldstrafen verbot, andere Zutaten zu verwenden als Wasser, Hopfen und Malz. Die Regensburger Bierordnung diente später dem Reinheitsgebot zum Vorbild.
Wie unterschiedlich Bier aus diesen Zutaten schmecken kann, zeigt ein Blick oder Geschmackstest bei 500 unterschiedlichen Bieren von mindestens 80 Brauereien, die es heute in der Oberpfalz gibt. Einige davon haben einen gewaltigen Bierausstoß, andere produzieren ihr flüssiges Gold nur sehr begrenzt für den Handel und schenken eher in Brauereigasthöfen aus. Besonders bekannt ist das Oberpfälzer Zoiglbier. Das untergährige Traditionsbier wird heute noch in den Kommunbrauhäusern im Oberpfälzer Wald gebraut und gehört zu den absoluten Spezialitäten der Region. In der Oberpfalz steht auch die weltweit führende Biobrauerei. Neumarkter Lammsbräu hat das erste glutenfreie Bier auf den Markt gebracht.
Zahlreiche Brauereien der Region bieten auch Führungen an. Ein besonderes Erlebnis ist die Themenführung der Stadtmaus mit Schauspiel und Bierproben. Wer selbst auf Entdeckungsreise gehen will, dem sei der Bierwanderführer durch den Landkreis Regensburg empfohlen.
Mehr Infos unter www.bier-und-barock.de
Zoiglbier
Bereits im 16. Jahrhundert wird der Begriff "Zoigl" erstmals urkundlich erwähnt. Ein Zeiger, umgangssprachlich zum "Zeigel" oder „Zoigl" mutiert, ist es nämlich, woher das Bier seinen Namen hat. Der Zeiger hing vor dem Haus, in dem gerade dieses hausgemachte Bier ausgeschenkt wurde. Teilweise auch in Franken zu finden, ist der Zoigl hauptsächlich in der (nördlichen) Oberpfalz zu Hause und steht hier nicht nur für selbstgebrautes Bier, sondern gleichzeitig für die Möglichkeit, deftige Brotzeiten in einer gastlichen Umgebung genießen zu können. Das Braurecht für Bürger diente bereits seit dem 13. Jahrhundert dazu, den Bürgern den Luxusartikel Bier zugänglich zu machen, jeder durfte damals sein eigenes Bier brauen, wenn auch nicht verkaufen.
Das Zoiglbier ist ein untergäriges Bier, das nach althergebrachter Weise gebraut wird. In der offenen Sudpfanne über einem Holzfeuer wird die Maische – ein Gemisch aus Wasser und Gerstenmalz – zuerst gekocht, dann gehopft und als Würze noch einmal erhitzt. Nach etwa zehn Tagen Gärungszeit wird das Zoiglbier in Fässer abgefüllt, in denen es noch mehrere Wochen ausreifen muss. Obwohl immer das gleiche Brauverfahren angewandt wird, schmeckt jeder Zoigl anders, denn jeder Brauer hat sein eigenes Rezept, mit dem das Verhältnis der Zutaten bestimmt wird.
Das Symbol des Zoigls, der Zoiglstern, ähnelt dem Davidsstern, die Bedeutung ist jedoch eine andere. Die beiden ineinander verschobenen gleichseitigen Dreiecke symbolisieren die am Brauen beteiligten Elemente Feuer, Wasser und Luft, sowie die damals zum Bierbrauen bekannten Zutaten Wasser, Malz und Hopfen. Wenn heute vor einem Gasthaus ein Zoiglstern hängt, bedeutet das zweierlei. Zum einen befindet sich das Wirtshaus mit größter Wahrscheinlichkeit im Oberpfälzer Wald, zum anderen findet der Besucher dort köstliches Bier und ein uriges Ambiente, in dem das Zoigl auch so richtig schmeckt.
Nur noch in fünf Orten in der Oberpfalz wird das Zoiglbier nach mittelalterlichem Braurecht in Kommunbrauhäusern gebraut. Das sind neben Mitterteich, Falkenberg und Eslarn (dort nennt man den Zoigl "Kommune") die "Hauptstadt des Zoiglbiers" Windischeschenbach und dessen Ortsteil Neuhaus. Hier ist das stets fest an Haus und Grund gebundene Braurecht bis 1415 nachweisbar. Bei allein 16 Zoiglwirten wird der in den beiden Kommunbrauhäusern eingebraute Zoigl nach einem festen Zoiglkalender reihum jeweils über das verlängerte Wochenende ausgeschenkt. Da das Zoiglbier in den letzten Jahren immer mehr Anhänger findet, sind auch in anderen Orten des Oberpfälzer Waldes wieder zahlreiche Zoiglstuben geöffnet worden. Auch Brauereien sind dem Trend gefolgt und haben den Zoigl in das Sortiment genommen. Um die Zoiglbierkultur nicht zu verwässern, haben sich Zoiglwirte in den fünf Zoiglorten unter dem Markenzeichen/-logo "Echter Zoigl vom Kommunbrauer" zusammengeschlossen.
Mehr Infos unter www.zoiglbier.de
